AMG, einst als Rennstall gestartet, kehrt zurück zu seinen Wurzeln. Der Flügeltürer SLS, dessen Verkauf jetzt gestartet ist, markiert nicht nur den Meilenstein der ersten Eigenentwicklung von AMG. Der Werkstuner von Mercedes schickt sein edles Baby jetzt sogar auf die Rennstrecken der GTR-Serie. Natürlich in einem hochgetunten Rennanzug.

Für den Kampf um die kürzesten Rundenzeiten wurde vor allem die Aerodynamik des rund fünf Zentimeter in die Breite gegangenen SLS verbessert: Größere Luftöffnungen in der Front, ein Loch in der Motorhaube und Kühlrippen an den Flanken helfen beim Temperatur-Management.

Und rasiermesserscharfe Spoiler aus Karbon machen den Flügeltürer zum Tiefflieger, der sich förmlich an den Asphalt saugen soll. Möglich macht das ein vielfach verstellbares Rennfahrwerk, das AMG zudem mit einer außergewöhnlich bissigen Bremsanlage kombiniert. Wer schnell beschleunigen soll, muss schließlich auch schnell wieder stehen können.

Innen räumt die AMG-Mannschaft alles aus, was nicht zwingend gebraucht wird. Das schmucke Designercockpit verschwindet zugunsten eines digitalen Bildschirms, an die Stelle des bequemen Ledersessels rückt eine harte Sitzschale aus Karbon, und wo früher mal Lack und Leder waren, sieht man jetzt auf das nackte Blech. Dafür montierten die Entwickler einen Überrollbügel, den Nackenschutz HANS, eine Feuerlöschanlage und ein oben offenes Sportlenkrad, das kaum größer ist als eine Schallplatten-Single. Außerdem gibt es einen Spezialtank von 120 Litern, der direkt hinter dem Fahrer montiert wird.

Unter der Haube hält bei der Kraftkur eine Rennversion des 6,3 Liter großen V8-Motors Einzug, die freier atmet und etwas höher drehen dürfte. Weil das Reglement noch nicht genau feststeht, kann bei AMG auch keiner die exakte Motorleistung beziffern. Doch um die 600 PS sollten es schon sein – noch einmal 30 mehr als für die Straße.

Weil das sequenzielle Renngetriebe obendrein anders übersetzt ist und der GT3-Sportwagen ein paar Zentner abgespeckt haben dürfte, können sich die Fahrleistungen sehen lassen, verspricht AMG: 3,8 Sekunden für den Standardsprint wird der Renner deshalb deutlich unterbieten. Und je nach Getriebesetup und Streckenprofil sind auf der Zielgeraden mehr als 300 km/h möglich. Dafür allerdings dürfte sich beim GT3 der Grundpreis von 177.000 Euro annähernd verdoppeln.

Über 40 Jahre nach der Gründung von AMG schließt sich mit dem SLS GT3 ein Kreis. Schließlich ist der Flügeltürer nicht nur das erste eigene Auto des einstigen Werkstuners, sondern in der Rennversion auch eine Hommage an die früheren Siege des Unternehmens im Rennsport. „AMG zeigt damit erneut seine große Erfahrung aus über 40 Jahren Motorsport und seine hohe Kompetenz bei der Entwicklung von High Performance-Fahrzeugen“, sagt der scheidende AMG-Chef Volker Mornhinweg und stellt den SLS GT3 in eine Reihe mit den legendären Silberpfeilen, die in den 50ern die Mille Miglia oder die Carrera Panamericana gewonnen haben.

Natürlich sieht der SLS ebenso brachial wie begehrenswert aus und erzeugt schon im Stand ein gefährliches Zucken im rechten Fuß. Doch hat er einen Schönheitsfehler: So schnell der GT3 auf der Rennstrecke auch sein mag - auf der Straße wird der schärfste Schwabe aller Zeiten zu einem echten Schleicher: Mangels Zulassung fährt er dort nur auf dem Hänger.