Die Ära der Hochdrehzahl-Saugmotoren neigt sich jetzt auch bei Mercedes-AMG so langsam dem Ende zu. Im Oktober führt die Performance-Abteilung von Daimler zunächst in der S-Klasse einen neu entwickelten 5,5-Liter-V8-Motor ein, der mit zwei Turboladern und einer Piezo-Direkteinspritzung von Bosch ausgerüstet ist und damit je nach Ausführung 544 oder 571 PS (mit dem Hochleistungspaket "AMG Performance Package") leistet. Das maximale Drehmoment von 800 Nm liegt zwischen 2000 und 4500/min an; die stärkere Variante, deren Ladedruck von 1,0 auf 1,3 bar erhöht wird, stemmt sogar 900 Nm auf die Kurbelwelle.

Die neue, intern M157 genannte Maschine ersetzt in der Oberklasse den erst vor fünf Jahren vorgestellten 6,2-Liter-Motor (M156), einen aufwendig konstruierten Hochdrehzahl-Saugmotor, der in der S-Klasse aktuell 525 PS leistet. Die Maximaldrehzahl des M156 liegt mit 7200/min deutlich über dem M157 mit 6800/min. Das maximale Drehmoment von 630 Nm erreicht der bisherige Motor erst bei 5200/min. Damit weist er sich als klassischer Sportmotor aus.

Vor allem Effizienzgründe sprechen für den neuen Motor, der konstruktiv von dem kommenden, ebenfalls turboaufgeladenen V8-Motor abgeleitet ist, der ab Herbst in der regulären S-Klasse zu bekommen ist. Im Vergleich zur aktuellen 6,2-Liter-Version sinkt der Verbrauch des neuen S 63 AMG um mehr als 25 Prozent von 14,4 auf 10,5 Liter pro 100 Kilometer; gleichzeitig verbessert sich die Beschleunigung von 0 auf 100 km/h geringfügig von 4,6 auf 4,5 beziehungsweise 4,4 Sekunden (mit Hochleistungspaket).

Die Höchstgeschwindigkeit ist weiterhin bei 250 km/h abgeregelt, optional sind 300 km/h möglich. Für die Kraftübertragung sorgt in Zukunft das aus SL 63 AMG und E 63 AMG bekannte Siebengang-Sportgetriebe AMG Speedshift MCT. Das Getriebe ist mit einer Zwischengasfunktion ausgerüstet und mit einem Start-Stopp-System kombiniert.

Bei der ersten Testfahrt mit einem Prototypen funktioniert das alles hervorragend. Zwar hängt der 6,2-Liter-Saugmotor noch einen Hauch feinnerviger am Gas, und mit der rennsportlichen Akustik des Hochdrehzahlmotors kann der voluminöse Bass der neuen Maschine nicht ganz mithalten. Dafür wird man mit dem neuen Biturbo noch unerbittlicher in den Sitz gepresst, und die Schaltvorgänge mit dem MCT-Getriebe sind trockener als bei der bisherigen Automatik.

In Kurven lassen sich die knapp 2,1 Tonnen Gewicht aber nicht verleugnen. Der S 63 AMG könnte durchaus straffer abgestimmt sein. Und es hätte der Manufaktur gut angestanden, den Automatik-Wählhebel von der Lenksäule wieder dorthin zu versetzen, wo er hingehört: auf die Mittelkonsole.

Trotz des geringeren Hubraums behält Mercedes die etablierte Modellbezeichnung S 63 AMG bei. Ähnlichkeiten zwischen Modellbezeichnung und tatsächlichem Hubraum sind bei AMG inzwischen rein zufällig. Kenner identifizieren das neue Modell an den kantigen Doppelendrohren der zweiflutigen Auspuffanlage; zum Markstart soll es zudem ein neues Felgendesign geben. Außerdem erhält der S 63 AMG gleichzeitig mit den anderen Modellen der S-Klasse ein erweitertes Sicherheitspaket, zu dem unter anderem eine Spurkorrektur per Bremseingriff gehört.

Bei den Händlern steht das überarbeitete Modell ab Oktober – zu Preisen, die sich vom aktuellen Modell (138.397 Euro) nur geringfügig unterscheiden werden; kurz darauf wird der neue Motor auch in der zweiten Generation des eleganten Viertürers CLS vorgestellt. Damit folgt AMG einem branchenweiten Trend: Auch der kommende BMW M5 schwenkt von einem V10-Saugmotor auf einen V8-Turbo um, Audi steht ebenfalls vor der Einführung eines 4,0-Liter-V8-Turbo. Jaguar und Cadillac gehen einen Sonderweg: Dort erfolgt die Aufladung der Spitzenmotoren auf absehbare Zeit per Kompressor.

SP-X