Auto Show Peking

Mission Maybach – Imagepflege mit 630 PS

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Thomas Geiger

Mit viel Tamtam hat Daimler 2002 die Luxus-Marke Maybach wiederbelebt. Heute, acht Jahre später, ist die Ernüchterung groß und Gerüchte über ein Ende der kriselnden Marke halten sich hartnäckig. Wie zum Trotz präsentiert Daimler jetzt in China eine aufgefrischte Version des Maybach – vielleicht die letzte.

Was hat Daimler getönt, als sie 2002 die Luxusmarke Maybach reaktiviert haben. Doch eine geplatzte Internetblase und mindestens zwei Wirtschaftskrisen später sind dei Verantwortlichen bei diesem Thema mittlerweile ziemlich kleinlaut geworden. Zwar wurden seit der Neugründung der Marke längst mehr Autos verkauft, als während ihrer ersten Karriere von 1919 bis 1941. Doch mit 2008 kaum mehr als zwei Dutzend Zulassungen in Deutschland und einem Produktionsvolumen von angeblich gerade noch 200 Autos im letzten Jahr, stehen dicke Fragezeichen hinter dem Luxusliner.

Wenn es ein Ausstiegsszenario gäbe, bei dem der Stern nicht an Glanz verlöre, hätten die Daimler-Manager längst die Notbremse gezogen. So jedoch spielen sie weiter auf Zeit und verschaffen sich mit einer ersten Modellpflege noch einmal etwas Luft. Zwar bleibt es weiterhin bei der alten S-Klasse als Basis, so dass neue Assistenzsysteme auch künftig nicht erhältlich sind. Doch zumindest gibt es jetzt noch mehr Luxus und Leistung sowie ein paar pfiffige Extras auf der Optionsliste.

Und damit man dem 5,73 Meter langen Maybach 57 sowie dem um 40 Zentimeter gestreckten Maybach 62 die Überarbeitung auch ansieht, wurde zudem das Design ein wenig retuschiert: Der Kühlergrill steht jetzt noch glänzender im Wind, die Motorhaube hat etwas mehr Kontur, in den Stoßfängern strahlen LED-Tagfahrleuchten und die Rücklichter haben etwas mehr Tiefenwirkung.

Das wichtigste ist den verwöhnten Kunden die exklusive Ausstattung. Deshalb hat Mercedes die ohnehin schon lange Liste der Extras noch einmal kräftig erweitert und neue Kombinationen zugelassen: So können nun auch die Kunden des „kurzen“ Modells die Ruhesitze aus dem Maybach 62 bestellen. Auf Wunsch gibt es handgeflochtene oder mit glitzernden Swarowski-Elementen veredelte Sitzkedern, die Flakon-Beduftungsanlage aus dem Sondermodell Zeppelin und einen WLAN-Router für drahtlosen Internetzugang. In den 62er-Modellen mit Trennwand wird auf Wunsch zudem ein 19-Zoll-Monitor montiert, der manchen Wohnzimmerfernseher in den Schatten stellt. Und damit die Kunden auch bei eingetrübtem Trennglas nicht den Überblick verlieren, überträgt eine Videokamera das Straßenszenario nach hinten.

Obwohl es dem Maybach an Leistung schon bislang nicht gemangelt hat und der Verbrauch den Kunden in der Regel herzlich egal ist, haben die Ingenieure auch den Motor überarbeitet. Im Maybach 57 und 62 leistet der sechs Liter große Zwölfzylinder zwar unverändert 550 PS. Doch geht der Verbrauch um 0,9 auf 15,0 Liter zurück. Die Sportversion in den Modellen 57S und 62 S legt in der Leistung noch einmal 18 PS zu und erreicht nun 630 PS. Dennoch geht auch hier der Verbrauch um 0,6 auf 15,8 Liter zurück.

Mit bis zu 1000 Nm Drehmoment beschleunigt der V12-Motor den 57S jetzt in 4,9 Sekunden auf Tempo 100 und erreicht eine Höchstgeschwindigkeit von 275 km/h. Für die Langversion stehen 5,1 Sekunden und 250 km/h im Datenblatt.

Die Preise hat Daimler noch nicht veröffentlicht, wahrscheinlich bewegen sie sich aber auf dem bisherigen Niveau. Der Maybach 57 kostet bislang ab 390.201 Euro, der 62 kommt auf mindestens 458.150 Euro. Für die S-version des 57 verlangte Daimler bisher 443.870 Euro, der 62 S startete bei 523.838 Euro.

Wie es nach der Modellpflge weitergeht mit Maybach und Mercedes, ist noch völlig offen. Zwar gibt es angeblich jede Menge Ideen für neue Modelle in allen Größen, exklusive Sonderserien oder veredelte Mercedes-Baureihen. Doch entschieden ist noch nichts.

Und hetzen lassen will sich der Vorstand dabei auch nicht. „Denn unserer Kerngeschäft geht vor“, sagt Vertriebsvorstand Joachim Schmidt. Und bei aller Liebe zu Maybach gibt es da Fragen und Aufgaben mit einer größeren Tragweite. Kein Wunder also, dass sich Daimler mit dem Facelift erst noch einmal etwas Zeit erschlichen hat.