Wenn Hans Günther Zach durch seine Hallen in einem schmucklosen Industriegebiet vor den Toren von Frankfurt geht, legt sich ein trauriger Ausdruck auf das sonst so fröhliche Gesicht des Mittsechzigers. Wo jetzt zwischen antiken Möbeln und wertvollen Teppichen noch fast 30 Rolls Royce stehen wie in einem riesigen Wohnzimmer, wird es bald nur noch ein paar Ölflecken, ein paar Biedermeier-Schränke und sonst nur gähnende Leere geben: Denn jetzt wird die vielleicht größte und spektakulärste Rolls-Royce-Sammlung der Welt verkauft.

„Nein, mit der aktuellen Wirtschaftskrise hat das nichts zu tun“, wischt der Werkzeugmaschinen- und Immobilienhändler alle falschen Vermutungen gleich zu Beginn des Besuchs vom Tisch. Nach wie vor kann er gut von seinen zwei Firmen leben, und auch die sechs Mitarbeiter müssten sich nicht um ihre Jobs sorgen. Ihm fehlt es nicht am Geld, sondern an der Zeit, sagt der Hesse, der zuletzt fast jede freie Minute bei seinen 24 Rolls-Royce und drei Bentley verbracht hat.

Reparieren, polieren, präsentieren: jedes Wochenende führte er Gäste durchs Museum, war andauernd mit einem seiner Schmuckstücke auf Paraden, Ausfahrten oder Hochzeiten und stand bei jedem großen Oldtimer-Event mit im Rampenlicht. „Irgendwann wird einem das einfach zu viel, ich werde schließlich auch nicht jünger“, schüttelt er resigniert den Kopf. Deshalb hat er sich schweren Herzens zum Verkauf durchgerungen. Und weil ein Abschied auf Raten doch kein Abschied ist, ist sein Schlussstrich dick und durchgezogen: Das Museum wird nicht kleiner und die Öffnungszeiten werden nicht eingeschränkt, schlägt Zach sich selbst die Alternativen aus. „Sondern wenn, dann müssen alle Autos weg, damit ich wieder ein wenig Ruhe habe.“

Dass er es überhaupt zu so einer großen Sammlung gebracht hat, ist für den bodenständigen und vollkommen unprätentiösen Fan eine Kette von Zufällen und glücklichen Fügungen. „Natürlich habe ich schon immer einen Faible für Rolls Royce gehabt“, erinnert sich Zach an seine Jugend, in der andere vielleicht für Porsche oder Ferrari geschwärmt haben. Und spätestes als sein Chef damals mit einem neuen Silver Shadow in der Firma vorgefahren kam, war es um den Lehrling Zach geschehen. „Jetzt musst du ordentlich schaffen, damit du dir so ein Auto irgendwann auch mal leisten kannst“, habe er sich da vorgenommen. Doch an eine Garage voller Klassiker hat er damals selbst in seinen kühnsten Träumen nicht gedacht.

Ohnehin sollte es noch 26 Jahre dauern, bis sein sehnlichster Wunsch Wirklichkeit wurde: „Erst 1994, zum 50. Geburtstag habe ich mir den Traum erfüllt und eine schwarze Corniche gekauft“, erzählt Zach und versinkt fast in den Ledersitzen des schwarzen Cabrios, für das er seinerzeit immerhin einen Porsche in Zahlung gab und noch den Gewinn aus einem Immobiliengeschäft drauflegen musste.

Danach ging es plötzlich Schlag auf Schlag: Zach wurde Mitglied im vornehmen Rolls-Royce-Enthusiast-Club, wurde in der Szene bekannt und bekam immer wieder mal einen Gebrauchtwagen angeboten. Bald kauft er die zweite Corniche, den ersten Silver Cloud: „Obwohl ich nie aktiv nach weiteren Autos gesucht habe, wuchs die Sammlung auf diese Weise Jahr für Jahr“, erinnert sich der Unternehmer und hält das für eine glückliche Fügung. „Die sind mir förmlich zugeflogen. Und sie kamen immer dann, wenn ich gerade ein bisschen Geld flüssig hatte.“

Dabei hat ihm der Zufall über die Jahre eine ganze Reihe von Pretiosen in die Garage gefahren. Denn irgendwann war es für ihn mit mehr oder minder aktuellen Modellen nicht mehr getan. Sondern plötzlich brannte die alte Leidenschaft so hell und lichterloh, dass Zach die ersten Oldtimer angekauft hat. Und als ihm dann der legendäre „Stern von Indien“ angeboten wurde, war es vollends um ihn geschehen. „Das ist schließlich nicht nur eines der berühmtesten Autos von Rolls Royce, sondern vielleicht der bekannteste Oldtimer überhaupt“, sagt Zach über das prunkvolle 1934er Phantom II Cabrio für den Maharadscha von Rajkot, das nach einem legendären Edelstein benannt ist.

Mit von der Partie waren damals gleich noch ein paar weitere Prunkwagen der sagenhaft reichen Provinzfürsten aus dem britischen Kolonialstaat Indien. Neben dem in Safran und Silber lackierten Continental Cabrio besitzt Zach deshalb auch den Jagdwagen des Fürsten von Rewa, bei dem der Tiger von Eschnapur noch im Fond liegt, oder den über 80 Jahre alten Phantom I des Maharadscha von Nanpara, der so blitzblank poliert wurde, ist, dass er nur die „Alu-Skulptur“ heißt.

Aber Zach hat auch ein paar kontinentale Schmuckstücke zusammen getragen: Besonders stolz ist er zum Beispiel auf den Baloon Car: 1910 gebaut, ist er das älteste Auto in Zachs Sammlung und ein absolutes Einzelstück, das heute wahrscheinlich als Designstudie firmieren würde. Ebenfalls sehenswert: Ein Silver Ghost von 1920, der erst dem Cognac-König Hennessy und dann Baron Rothschild gehörte. Fast schon verloren zwischen den 24 Rolls-Royce findet man auch noch drei Bentley, die Zach mitgenommen hat wie ein Fischer den Beifang. „Das waren günstige Gelegenheiten, da konnte ich nicht nein sagen“, erinnert er sich. Außerdem gehörten die Bentleys ja zumindest mal eine zeitlang zur Familie.

Dass Zach seine Autos nicht wie ein eifersüchtiger Sammler einschließt und Stillen genießt, liegt am guten Herzen des Sammlers. Irgendwann beim Bier in einer von ihm geförderten Kulturkneipe habe er sein Engagement für Behinderte und Benachteiligte entdeckt und seine Sammlung in den Dienst der guten Sache gestellt. Um Spenden zu Sammeln, hat er deshalb die Tore für Besuchergruppen geöffnet und regelmäßig selbst Führungen veranstaltet. So kamen in den letzten Jahren 25.000 Gäste und 250.000 Euro zusammen, und seit 2006 prangt dafür an Zachs Revers das Bundesverdienstkreuz.

Über sein ehrenamtliches Engagement und seine Autos hat Zach aber nicht nur die deutsche Politprominenz kennen gelernt. Sondern er und seine Autos waren auch in Dutzenden Fernsehshows und auf hunderten von Paraden in aller Herren Länder. Am lebhaftesten in Erinnerung geblieben ist ihm dabei freilich das Fest zum 50jährigen Thronjubiläum der britischen Königin, bei dem sein „Stern von Indien“ der absolute Star im Gratulationskonvoi gewesen ist. „Das war schon ein erhebender Moment, als sich Elizabeth II: und Prinz Phillip für mein Schmuckstück begeistert haben“, erinnert sich Zach.

Mehr als fünf Millionen Euro soll die Sammlung bringen

Bald bleibt ihm nicht viel mehr als die Erinnerung. Denn in diesen Tagen wird die Sammlung ihren Besitzer wechseln: „Mindestens fünf Millionen Euro will ich dafür haben und am liebsten alles in einem Rutsch verkaufen. Wenn jemandem die Bilder, Möbel und Teppiche gefallen, kann er sie für einen kleinen Aufschlag auch noch mitnehmen“, sagt Zach: „Was weg ist, ist weg.“ Natürlich hat er dem Käufer absolute Diskretion versprochen, und wo das derzeit höchste Gebot liegt, ist sein ganz persönliches Geheimnis. „Doch Interesse gibt es genug“, sagt Zach und berichtet von Angeboten aus Deutschland, der Schweiz, England, Amerika und Arabien. „selbst die Inder haben sich schon gemeldet“.

Seit er sich zum Verkauf entscheiden hat, geht es bei ihm zu wie in einem Taubenschlag: Ständig kommen Rolls-Royce-Fans und wollen die Klassiker begutachten, alle paar Minuten läuft eine neue E-Mail ein, Agenten und Auktionatoren geben sich die Klinke in die Hand, und Kamerateams tragen die Botschaft in alle Welt. „Sogar in Australien und China wurde bereits über den bevorstehenden Verkauf berichtet“, sagt Zach und kontrolliert regelmäßig bei Google, welche Wellen er damit schon geschlagen hat. Das enorme Echo hat den Besitzer selbst überrascht, vor allem die Reaktionen auf den „Stern von Indien“ hatte er unterschätzt. „Nach zigtausend Google-Einträgen bin ich wirklich überzeugt, dass es dieses Auto zum berühmtesten Oldtimer der Welt gebracht hat“, hat er in den letzten Tagen gelernt und daraus schon die ersten Konsequenzen gezogen: Nun wird die Sammlung geteilt und die Blaue Mauritius unter den Rolls Royce separat verkauft.

Was er macht, wenn der Verkauf über die Bühne ist und er statt vieler Autos wieder mehr Zeit hat, das kann Zach derzeit beim besten Willen noch nicht sagen. Aber langweilig wird ihm sicher nicht. „Schließlich sammle ich ja auch noch antike Möbel“. Für die hat er dann endlich wieder genügend Platz.