In Zukunft, so hat es der amerikanische Künstler Andy Warhol einmal gesagt, werde jeder für fünfzehn Minuten berühmt sein können. Mit der Bearbeitung von Abbildungen Marilyn Monroes bewies er seine These ebenso nachdrücklich wie mit Porträts von Campbell’s-Suppendosen. Oder Kolorierungen eines BMW. So gestaltete er einen M1 des Autoherstellers, der am 24-Stunden-Rennen von Le Mans teilnehmen sollte.
Selbst ohne die warholsche Bearbeitung spenden die M-Modelle von BMW noch heute eine Form der Aufmerksamkeit, die mancher nicht missen mag. Besonders nicht in ruppigen Zeiten: Trotz schwieriger wirtschaftlicher Umstände finden die Sportmodelle der BMW-M-Reihe einen ebenso reißenden Absatz wie die des Konkurrenten AMG, einer 100-prozentigen Mercedes-Tochter. Beide Werkstuner melden Rekordzahlen.
Um 50 Prozent konnte die BMW M GmbH ihren Absatz steigern. Während 2008 Automobilgrößen wie Alfa Romeo (minus 34 Prozent) oder Toyota (minus 27 Prozent) auf dem deutschen Markt einbrachen und selbst BMW wie auch Mercedes im Vergleich zum Vorjahr stagnierten, setzten sich ihre sportlichen Töchter weltweit in Szene. 24.186 Hochleistungs-Pkw wurden von den M-Modellen abgesetzt. Mercedes AMG gibt mit 24.100 ein wenig mehr an, wobei die Steigerung bei den Sportlern mit dem Stern nur 19 Prozent betrug.
Preislich liegen beide Hersteller bei ihren Bestsellern auf Augenhöhe. Während hierzulande der M3 von BMW mit 18.000 Einheiten der größte Verkaufsrenner bei den M-Modellen war, trug der C 63 AMG mit 8100 Stück bei AMG maßgeblichen Anteil am Erfolg. Die Limousine des M3 (3253 Käufer) liegt bei 66.000 Euro, die Coupé-Version (10.751 Neuzulassungen) bei 67.950 Euro, und das 4169-mal verkaufte M3-Cabrio hat einen Basispreis von 75.250 Euro. Der C 63 AMG ordnet sich hier bei 68.901 Euro für die Limousine und 71.638 Euro für den Kombi ein.
Bei Mercedes erhält der Kunde für sein Geld acht Zylinder, 457 PS und eine Beschleunigung von 4,5 Sekunden aus dem Stand auf 100 km/h. Der M3 von BMW ist dagegen etwas schwächer auf der Brust. So stehen ihm zwar ebenfalls acht Zylinder zur Verfügung, die aber nicht mehr als 420 PS entwickeln. So braucht er im Sprint auch 0,4 Sekunden länger als sein inländischer Konkurrent.
Warum dennoch so viele Kunden zum M3 vergangenes Jahr gegriffen haben? Der Grund liegt in seiner Neuauflage. Das letzte Mal war der M3 als Coupé und Cabriolet im Jahr 2000 aufgelegt worden, 2007 lief das Modell aus, und die Fans wussten natürlich genau: Wenn sie warten würden, bekämen sie zum ersten Mal einen Achtzylinder im M3 und auch sonst das modernere Fahrzeug. Auch die Leistungssteigerung war nicht zu verachten, beim M3 Coupé betrug sie immerhin 77 PS. So hielten die Fans der Marke ihr Geld zusammen und kauften in der Mehrheit erst wieder 2008 einen neuen M3. Woraus Ludwig Willisch, Vorsitzender der Geschäftsführung der M GmbH, gleich einen ganzen Trend für seine Marke ableitet: "Vor allem die Tatsache, dass der Absatz für BMW M Automobile auch in der zweiten Jahreshälfte sein konstant hohes Niveau halten konnte, unterstreicht die hohe emotionale Wirkung, die unsere Produkte bei unseren Kunden erzielen."
Der C 63 AMG der Mercedestochter ist hingegen schon ein Jahr länger auf dem Markt. Grund zur Trauer gibt es bei den Fabrikanten aus dem schwäbischen Affalterbach dennoch nicht. Mit 260 Prozent Absatzsteigerung in China und 565 Prozent in Brasilien gelang AMG ein großer Erfolg in Zukunftsmärkten. Die könnten bald eine ähnlich große Bedeutung für die Hersteller teurer Automobile bekommen, wie sie lange Nordamerika zugeschrieben wurde.
Doch noch ist es nicht so weit. Die USA waren und sind für die veredelten BMW und Mercedes nach wie vor der wichtigste Markt. Setzte AMG dort 38 Prozent seiner Modelle ab, gingen sogar 44 Prozent aller gebauten BMW-M-Modelle in das Land der Straßenkreuzer. Deutschland ist für beide Hersteller der jeweils zweitwichtigste Markt, allerdings mit deutlichem Abstand zu den USA. AMG verkauft 13 Prozent seiner Produktion in der Heimat (plus 34 Prozent), BMW M nur 11,5 Prozent
Dabei betont AMG in Deutschland tatsächlich den Umweltgedanken – und zwar stärker, als das die M-Abteilung von BMW tut. "Beim Thema Verbrauch ist AMG schon heute 'Best in Class' im Wettbewerbsfeld mit anderen Performance-Töchtern oder Sportwagenmarken", heißt es offiziell bei der Mercedes-Tochter. Bis 2012 sollen die AMG-Boliden noch einmal 30 Prozent weniger verbrauchen als heute.
Was keine schlechte Idee ist, denn der C 63 AMG benötigt im Schnitt nach Herstellerangabe 13,4 Liter, während BMW beim M3 den EU-Verbrauch mit 12,4 angibt. Doch ob das die Fahrer angesichts von Pferdestärken im Überfluss tatsächlich interessiert? Gerade weil mit solch potenten Autos häufiger Eiscafés als Autobahnraststätten angesteuert werden: Wichtiger als der Verbrauch ist hier der Auftritt.
Wie sagte es Andy Warhol? „Um als Künstler erfolgreich zu sein, muss man in einer guten Galerie ausgestellt werden.“ Dass die Galerie für die Fahrer von M- oder AMG-Modellen auf der Straße liegt, hätte den Altmeister der Popkultur nicht gestört.




