Auto-Messe

Der neue VW Polo sieht aus wie ein kleiner Golf

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Thomas Geiger

Da haben die Verantwortlichen bei VW aber Glück gehabt: Pünktlich zum Genfer Salon, der ersten europäischen Automesse in der Krise, ist nicht ein neuer Touareg oder Phaeton fertig geworden, sondern der kleine Polo. Das sparsamste Modell verbraucht 3,8 Liter, demnächst sollen es sogar nur 3,3 Liter sein.

Er hat das Zeug zum Star dieses Sommers: Wenn VW Ende Juni die fünfte Generation des Polo an den Start bringt, wird es für die meisten anderen Kleinwagen ziemlich eng. Mag der Opel Corsa auch noch immer leidlich frisch aussehen und der Ford Fiesta gerade erst erneuert worden sein. Doch gegen den jetzt auf dem Genfer Salon präsentierten Hoffnungsträger aus Wolfsburg werden sich die Konkurrenten schwer tun. Denn als Golf des kleinen Mannes holt der neue Polo alle Vorzüge seines großen Bruders ins Reich der Zwerge: Ein vielleicht nicht ganz so spannendes, aber dafür zeitloses Design, ein Qualitätsniveau wie in der gehoben Mittelklasse, eine endlich standesgemäße Sicherheitsausstattung und gleich ein halbes Dutzend Motoren auf strengem Sparkurs. Und ein bisschen mehr Platz bietet er obendrein. Dabei wird das Auto in der Basisversion nur 100 Euro teurer und startet jetzt bei 12.150 Euro.

Beim Generationswechsel ist der Polo in fast jeder Dimension ein wenig gewachsen, ohne dabei an Gewicht zugelegt zu haben. Im Gegenteil: Bis zu 7,5 Prozent wollen die Wolfsburger trotz besserer Crashstruktur abgespeckt haben. In der Länge legt der Neuling um knapp vier Zentimeter zu, bleibt aber mit 3,95 Metern deutlich unter der Vier-Meter-Marke. Dafür allerdings geht der Polo auch in die Breite: Drei Zentimeter mehr Spurweite bringen optisch wie technisch für einen stabilen Stand und verbessern obendrein die Ellenbogenfreiheit. Nur nach oben wird es jetzt ein wenig knapper. Denn mit Blick auf die Proportionen hat Designchef Walter de Silva den Wagen um 1,4 Zentimeter kupiert und die Höhe auf 1,45 Meter gedrückt.

Das neue Format dient nicht nur der schönen Form, sondern schafft auch ein wenig mehr Platz im Innenraum. Vor allem Knie und Füße der Fond-Passagiere dürften davon profitieren, und um die Schultern ist es künftig auch luftiger. Außerdem fasst der Kofferraum nun 280 Liter und kann auf 980 Liter erweitert werden. Allerdings ist die Rückbank erst ab dem zweiten Ausstattungsniveau geteilt, und auch der doppelte Ladeboden fehlt dem Basismodell. Dafür jedoch bekommen alle Polo-Passagiere eine neue Sitzanlage, neue Lenkräder und ein neues Armaturenbrett mit weiß beleuchteten Instrumenten sowie einer digitalen Tankuhr.

Die wird der Polo-Fahrer auch dringend brauchen. Schließlich haben die VW-Entwickler derart an der Sparschraube gedreht, dass sich die Tanknadel bei manchen Varianten kaum merklich bewegt hätte. So ist der sparsamste Benziner mit 5,5 Litern zufrieden, und die Dieselvariante BlueMotion wird mit einem Verbrauch von 3,8 Litern und einem Kohlendioxidausstoß von 96 g/km zum sparsamsten Fünfsitzer der Republik. Neben dem Serien-BlueMotion mit 1,6-Liter-Vierzylinder steht in Genf die Studie eines zukünftigen Spar-Polo mit neuem, noch sparsamerem 1,2-Liter-Dreizylinder. VW-Entwicklungsvorstand sagt: „Ich gehe davon aus, dass wir im Februar 2010 in Produktion gehen können. Noch ist das ein sportlicher Zeitplan. Aber der Motor und die weiteren Systeme des Polo BlueMotion funktionieren bereits derart vielversprechend, dass wir just in time auf den Markt kommen werden.“

Bemerkenswert ist auch das 105 PS starke Top-Modell, das erstmals einen per Turbo aufgeladenen Benzindirekteinspritzer bekommt: Obwohl der Kleinwagen damit 190 km/h schafft, braucht der Vierzylinder nach EU-Norm nur 5,5 Liter – 19 Prozent weniger als beim Vorgänger.

Insgesamt wird es den Polo im ersten Jahr mit vier Benzin- und drei Dieselmotoren geben, von denen fünf zumindest für die Baureihe neu sind. Außerdem hält mit dem Generationswechsel auf breiter Front auch das siebenstufige Doppelkupplungsgetriebe Einzug. Starten wird die Palette beim Polo 1.2 mit einem 60 PS starken Dreizylinder, der 5,5 Liter verbraucht und 157 km/h erreicht. Denselben Motor gibt es bei gleichem Verbrauch auch mit 70 PS und 165 km/h Höchstgeschwindigkeit. Darüber rangieren der konventionelle 1,4-Liter mit 85 PS, 5,9 Litern Verbrauch und 177 km/h sowie der kleine TSI-Motor mit 105 PS.

Lauter Neuheiten bietet die Diesel-Auswahl. Denn VW wirft nun auch beim Polo die lärmende Pumpe-Düse-Technik über Bord und stellt auf Common-Rail-Motoren um. Vorgesehen ist ein 1,6-Liter in drei Leistungsstufen mit 75, 90 und 105 PS, der in jeder Variante 4,2 Liter verbraucht und bis zu 189 km/h ermöglicht.

Weil VW auch unter den neuerdings verschärften Prüfbedingungen ganz sicher fünf Sterne beim Crashtest erreichen will, war man bei der Sicherheitsausstattung spendabel. ESP gehört jetzt bei allen Modellen ebenso zur Serie wie vier Front- und neue Seitenairbags mit weit bis zum Kopf hinaufreichenden Luftpolstern sowie aktive Kopfstützen für die Vordersitze.

Dass der Polo ein kleiner Bruder des Golf ist, sieht man nicht nur am Design, sondern auch in der Preisliste, die viele noble Optionen bietet: Neben Airbagvorhängen und Reifendruckkontrolle gibt es auch ein neues Tagfahr- und ein statisches Abbiegelicht, Radio- und Navigationssysteme mit Freisprecheinrichtung sowie später ein Panorama-Dach und Bi-Xenon-Scheinwerfer. Allerdings hat die ganze Aufrüstung auch ihren Preis und wird den Polo weit über 20.000 Euro treiben.