Shelby GT500

540 Pferdestärken beflügeln den Ford Mustang

Unter den US-Muscle-Cars ist der Mustang das beste Zugpferd. Dafür sprechen zum einen die Absatzzahlen in den USA. Zum anderen feilt Ford beständig am eigenen Nimbus, dem auch der jüngste Shelby GT500 zugute kommt: Ein Sportwagen wie ein Rassehengst, der selbst als Importauto ein echtes Schnäppchen ist.

Ford hat unter den amerikanischen Herstellern derzeit halbwegs gut lachen. Nicht nur, dass die Familienfirma als Einäugiger unter den Blinden die Absatzkrise besser überstanden hat als Chrysler und General Motors. Auch im Prestigeduell auf dem Dragstrip und den Flaniermeilen des Landes hat Ford die Nase vorn. Chevrolet Camaro und Dogde Challenger sind zwar die neueren Autos, der Mustang aber ist und bleibt nach wie vor das beliebteste Muscle Car zwischen New York und Los Angeles. Und Ford tut alles dafür, damit das auch so bleibt.

Das beste Beispiel dafür ist der GT500, der in Zusammenarbeit mit der Rennsport- und Tuning-Legende Caroll Shelby entstanden ist und zurecht dessen Cobra im Grill, auf den Flanken oder am Heck trägt: Denn der heißeste Hengst im Stall ist giftig und schnell wie die Schlange, mit der sich jeder Shelby schmückt.

Möglich macht das – wie sollte es auch anders sein - ein klassischer V8-Motor mit soliden fünf Litern Hubraum. Nach klassischer Tuningmanier mit einem Kompressor beatmet, schüttelt das Kraftwerk gelassen 540 PS aus dem Ärmel. Und kaum senkt man den Stiefel aufs Gas, schwillt das beinahe meditative Leerlauf-Bollern zu einem wütenden Brüllen an, das dank einer eigens im aktuellen Modelljahr in den Innenraum gelegten „Soundtube“ auch am Steuer bestens hörbar ist. Das Radio kann man deshalb getrost auslassen.

Aber der GT500 ist nicht nur laut und dank seiner biestig aufgerissenen Front und den breiten Rallyestreifen schrill, sondern auch scharf und schnell wie es sich für einen Sportwagen gehört. Urgewaltige 690 Nm reißen über die breiten Hinterräder am Asphalt, wenn das Getriebe in den ersten Gang klackt, die Kupplung schnalzend schließt und der wilde Hengst davon galoppiert. Kaum mehr als vier Sekunden braucht er auf Tempo 100, die Viertelmeile schafft er in guten 12 Sekunden, und die Höchstgeschwindigkeit liegt mit 250 km/h am elektronisch abgeregelten Limit.

Egal ob Speedway oder Landstraße, beim schnellen Galopp gibt der Mustang das erfahrene Schlachtross, dem jede Nervosität eines jungen Gaules fremd ist. Man muss schon alle Elektronik ausschalten und es gezielt darauf anlegen, wenn beim Start die Reifen qualmen sollen oder man die Kurven lieber quer nimmt. Sonst jedoch folgt der stramme GT500 auch bei hohem Tempo sicher, gelassen und überraschend präzise seinem Kurs, verblüfft mit einer zielgenauen Lenkung, bissigen Bremsen und einem Sechsgang-Getriebe, das eine echte Freude ist – zumal der Schaltknauf liebevoll einer Billardkugel nachempfunden wurde.

Um so unverständlicher bleibt deshalb, warum die Amerikaner den Rest des Innenraums einfach nicht hin bekommen: Ein Shelby-Logo im Lenkrad, ein paar farblich abgestimmte Zierstreifen in den Ledersitzen und die wie immer bei US-Autos umfangreiche Komfortausstattung können nicht über eine Tristesse und Lieblosigkeit hinwegtäuschen, die so gar nicht zum Legendenkult passen will.

Neben dem Kultfaktor ist es vor allem der Preis, der für den Mustang spricht. In den USA kostet das Basismodell umgerechnet gerade einmal 15.300 Euro, und selbst für den GT500 verlangt Ford nur 33.000 Euro. Auch wenn die Importeure ein paar Tausender drauf schlagen, ist der GT500 noch immer ein Schnäppchen. Denn so viel Kult und Kraft bietet sonst kaum ein Fahrzeug. Das weiß man auch bei Ford in Köln, wo der Mustang immer wieder durch die Vorstandsitzungen geistert.

Doch so sehr sie es auch wollen würden, haben die Entscheider noch keinen rentablen Weg für den offiziellen Import gefunden, sagt Vorstandschef Bernhard Mattes fast schon traurig. „Aber die Faszination für den Mustang kann ich gut verstehen. Deshalb freue ich mich über jeden, den ich bei uns auf der Straße sehe.“