40 Jahre! Boah,ey!

Opel Manta – zwischen Proll-Karre und Klassiker

Anfangs sollte der Opel Manta nur ein sportliches Nischenmodell zwischen Kadett und Rekord sein. Heute blickt er zurück auf Rekordverkaufszahlen und große Rallye-Erfolge – und auf ein wechselvolles Image zwischen flottem Coupé und Volkssportwagen, Fuchsschwanz und Blondinenwitz.

Alles begann mit einer großen Überrraschung: Auslöser für die „Manta-Mania“ der 70-er Jahre war der unerwartete Verkaufserfolg des 1969 vorgestellten preiswerten Volkssportlers Ford Capri. Opel reagiert schnell: Der seit 1967 in Entwicklung befindliche Coupé-Nachfolger des Opel Olympia wird von Designer George Gallion optisch nachgeschärft und geht im September 1970 unter dem Namen des exotischen Fischs in Serie.

Anfangs begnügt sich das formschöne Familiencoupé mit drei wenig temperamentvollen 1,6- und 1,9-Liter-Motoren mit 68 bis 90 PS Leistung. Triebwerke und konventionelles Fahrwerk teilt sich der 4,34 Meter lange Manta weitgehend mit der baugleichen und kurze Zeit später vorgestellten Stufenhecklimousine Ascona. Günstige Preise ab 8.528 Mark und flotte Formen sind beim Manta zunächst weit wichtiger als hohes Tempo.

Ebenso wie die als Vorbilder dienenden populären „Pony Cars“ aus den USA und der mit einem fast schon flügellahmen 50-PS-Basismotor ausgestattete Kölner Capri erfüllt der Opel Manta die Erwartungen des Marktes. Bereits in den ersten drei Verkaufsmonaten setzt Opel von dem in Bochum und Antwerpen gefertigten Modell damals sensationelle 55.393 Einheiten ab. Vor allem Männer fast aller Altersgruppen fühlen sich von dem Volkssportler angesprochen, besonders von der scharfen SR-Version mit Rallyestreifen und mattschwarzer Motorhaube.

Als Volkswagen mit dem Scirocco Anfang 1974 endlich einen Manta-Jäger auf die Straße schickt, ist Opel gut gerüstet. Den Absatzeinbruch während der Ölkrise im Winter 1973/74 übersteht der Manta mit einem 60-PS-Basistriebwerk und mit auf preiswerteres Normalbenzin ausgelegten Motoren. Als Manta GT/E mit 105 PS starkem Einspritzmotor bietet das Coupé ab März 1974 endlich das bislang vermisste sportliche Temperament, von dem bis dahin nur Kleinserien wie ein Manta TE 2800 der belgischen Tuningfirma Traneurop-Engineering künden.

Zum großen Finale der ersten Manta-Generation erscheinen zahlreiche Sondermodelle, darunter die bei Sammlern legendäre „Black Magic“-Edition auf GT/E-Basis mit brilliantschwarzer Lackierung und zeitgeistiger orange-karierter Recaro-Polsterung. Insgesamt laufen bis Juli 1975 rund 500.000 Manta vom Band, darunter immerhin 300.000 Einheiten mit 1,9-Liter-Motor, aber nur rare 850 Manta „Black Magic“. Dafür wurden insgesamt rund 170.000 Manta in die USA exportiert, wo sie anfangs als Opel 1900 das GM-Programm nach unten abrundeten.

Noch besser verkaufte sich die zweite Manta-Generation, die zur IAA 1975 präsentiert wurde. 100.000 Coupés in nur neun Monaten sind rekordverdächtig und reichen aus, um endlich Anschluss an die Nummer eins des Segments zu finden, den Ford Capri. Mit vergleichbarer Motorisierung, aber deutlich sportlicheren und maskulineren Linien als beim Vorgänger nimmt der 4,45 Meter lange Manta B Designanleihen vom amerikanischen Chevrolet Monza. Vielleicht ein Grund, weshalb der neue Manta nicht nach Amerika exportiert wird. Dafür vertreibt die britische GM-Tochter Vauxhall den Manta B bis 1981 unter der Modellbezeichnung Cavalier Coupé und Sports Hatch sowie als Centaur-Cabrio. In Deutschland ergänzt ab 1978 der Manta CC (Combi-Coupé) mit großer Heckklappe das Programm.

Während das Facelift zum Modelljahr 1980 nur kleine optische Veränderungen wie Kunststoff- statt Chromstoßstangen umfasst, startet der Manta mit fast schon spektakulärer Technik in das darauffolgende Jahr: Auf dem Genfer Salon steht der Manta 400 als Nachfolger des Ascona 400, mit dem Walter Röhrl die Rallye-WM gewann. Bis 1984 werden 245 Einheiten des Hochleistungssportlers gebaut. Gute Platzierungen bei der Rallye-WM und der Paris-Dakar zählen zur motorsportlichen Ausbeute des Manta 400.

Zur Homologation muss er auch in einer Straßenversion verkauft werden. Die bekommt einen neuen 144 PS starkem 2,4-Liter-16-Ventil-Motor, auf Wunsch sind sogar scharfe 250 PS möglich. Ab 1984 sorgte der über 200 km/h schnelle Manta i 240 in den Schauräumen der Opel-Händler für Aufsehen.

In seinem letzten Produktionsjahr schließlich ist der Manta in der Version 2.0 GSI mit ungeregeltem Euro1-Katalysator lieferbar. Ein zu dieser Zeit sauberer Schlusspunkt unter einer beeindruckenden Karriere, die sich im übrigen auf der Gebrauchtwagenszene und in teils fragwürdigen Witzen und entsprechenden Kinofilmen fortsetzte.