Focus RS

Letzte Runde für die Rennschüssel von Ford

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Nie zuvor hat Ford in Deutschland ein stärkeres Auto gebaut. Der Focus RS sollte mit seinen 305 PS das etwas biedere Image der Marke aufpeppen. Nun geht das Kontingent der knallig lackierten Flitzer mit 5-Zylinder-Turbo zur Neige: Wieder ein Argument weniger für die lustbetonte automobile Unvernunft.

Im Frühjahr bekam der Hochadel der GTI-Klasse ein neues Mitglied: Der Ford Focus RS mit 305 PS, Sportfahrwerk und aggressiv zupackendem Turbo ist der stärkste je in Deutschland gebaute Ford. Im Herbst war das dem hiesigen Markt zugeteilte Kontingent von 1200 Autos verkauft. Deshalb stockt Ford die Stückzahl um allerletzte 400 Exemplare auf. Danach ist Schluß mit dem bärenstarken Fronttriebler, der es sogar mit dem Porsche Cayman aufnimmt.

„Können Sie sich an einen Ford erinnern, der so geklungen hat?“, fragte Joseph Bakaj ohne Seitenblick zum Fahrer. „Am Sounddesign haben wir lange gearbeitet,“ schwärmte der Entwicklungschef von Ford in Europa zu Beginn des Jahres nach einer Testfahrt von seinem jüngsten Baby.

Mit dicken Backen rund um die 19-Zoll-Räder, einem stets hungrig wirkenden, dominanten Kühlergrill und einem riesigen Heckspoiler trat der Sportler an, um das biedere Image des Herstellers aufzufrischen. Selten war Bakaj, der gleichzeitig auch Vizepräsident des amerikanischen Konzerns ist, so stolz auf ein Auto aus der eigenen Schmiede. Obwohl der Kompaktwagen wegen seiner hohen Leistung und seinem Drehmoment von 440 Newtonmeter mehr kostbaren Sprit verbraucht , als zum schlichten Vorwärtskommen nötig ist. „Klar, ein Stück Unvernunft ist dabei. Aber müssen wir wirklich immer nur vernünftig sein, uns immer nur zurücknehmen?“

Bakaj spricht vom Hi-Fi-Fan, der sich eine 1000-Watt-Anlage zulegt und in einer Mietwohnung lebt. „Wenn er keinen Ärger mit seinen Nachbarn will, wird er nie voll aufdrehen. Aber er wird Spaß an seinem Schmuckstück haben und auf den Moment warten, wenn alle im Urlaub sind.“ Dieser Moment sei für den RS-Fan die freie Autobahn oder eine kurvige Bergstraße. „Den Rest der Zeit ist er wieder in einem ganz normalen Focus unterwegs, mit großem Kofferraum und zwei Rücksitzen. Wir haben viel Wert auf die Alltagstauglichkeit gelegt.“

In der Tat lässt sich der stärkste je in Deutschland gebaute Ford trotz Sportfahrwerk und aggressiv zupackendem Turbo auch völlig zivil bewegen. Dann ist sogar ein Verbrauch unter zehn Litern drin. Denn das hohe Drehmoment des 2,5 Liter großen Fünfzylinders erlaubt frühes Hochschalten.

„Natürlich spielt so ein Auto in unserer Statistik kaum eine Rolle. Aber für das Image der Marke ist der RS unverzichtbar.“ Joe Bakaj ärgert, dass oft vom Unterschied zwischen Premiummarken wie Mercedes oder BMW und den Volumenherstellern die Rede ist.

„Auch in einem Ford findet man die neuesten Technologien, hochwertige Materialien und alles, was einmal als exklusiv galt.“ Sein Kronzeuge ist eben jener Focus RS. „Er hat mehr Leistung und bessere Fahrleistungen als ein Porsche Cayman.“ Na ja, fast: Der Porsche ist mit 5,8 Sekunden eine Zehntel schneller auf Tempo 100, und er schafft 265 statt 263 km/h. Dafür ist der Ford mit 33.900 Euro rund 15.000 Euro günstiger.

Ende der Dienstfahrt. Joe Bakaj wartet mit gelassener Ungeduld auf das Urteil. Man muss da nicht lange herumreden: Was für ein faszinierender Wagen, was für eine gute Traktion trotz 305 PS an der Vorderachse. Und was für ein Geschoss, welche Unvernunft, aber was für ein Spaß! Der Focus RS ist ein Kandidat, es schon während seines kurzen Lebens zu Kultstatus zu bringen.

( pem/mv )