Über Lobbyismus spricht man nicht, sondern man schimpft entweder darüber oder schweigt, je nachdem, auf welcher Seite man steht. Bernhard Mattes, Vorsitzender der Geschäftsführung der Ford-Werke GmbH, redet dagegen ganz normal über das Vertreten seiner Interessen bei der Verlängerung der Abwrackprämie: "Ich habe alle Politiker, bis zur Kanzlerin, schriftlich mit allen Fakten versorgt."

Mattes sagte am Rand der Leipziger Auto Mobil International, die am Sonntag zu Ende geht, für ihn habe es keine Alternative zur Verlängerung gegeben. Nicht nur wegen des eigenen Geschäfts, sondern auch, weil sonst die „gesamte Wertschöpfungskette“ der Autoindustrie gerissen wäre. Zulieferer und Händler wären mit in den Strudel gezogen worden. Trotz aller Zulassungserfolge in den ersten Monaten: Europaweit sind die Autozahlen im Sinkflug, da nur Deutschland, Italien und Frankreich erfolgreich gegensteuern.

„In normalen Jahren werden in Europa 18 Millionen Autos verkauft, dieses Jahr werden es nur 13, 14 Millionen sein“, sagte Mattes. Besonders dramatisch sei der Rückgang in Russland, das lange als aufstrebender Automarkt galt. „Da gab es vor einem Jahr noch 3,8 Millionen Neuzulassungen, jetzt geht es runter auf 1,8.“

Bis das alte Niveau wieder erreicht sei, werde es noch dauern, weshalb alle Firmen, auch Ford, die Kosten anpassen müssten. „Die Produktionspläne bleiben aber so weit als möglich gewahrt und geschützt. Das Produkt ist alles“, sagte Mattes, der seit neun Jahren Ford-Chef ist. Geboren in Wolfsburg, hat er sich den rheinischen Optimismus zu eigen gemacht: „Ich vermeide das Wort, das mit K anfängt und mit e aufhört. Das zieht einen so runter.“

Als Chef von Ford muss sich Bernhard Mattes allerdings auch nicht so viele Sorgen machen wie etwa sein Konkurrent Hans Demant bei Opel. Im Gegensatz zu Opels Mutterkonzern General Motors geht es der Ford-Zentrale in den USA noch ganz ordentlich, Staatshilfen wurden bislang nicht beantragt.

In Europa sind mit dem Fiesta und dem Ka zwei Kleinwagen rechtzeitig zum Abwrack-Boom erneuert worden und verkaufen sich hervorragend: Schon 117.000 Exemplare vom neuen Fiesta seien neu zugelassen worden. Insgesamt sinken jedoch auch bei Ford die Zahlen, weshalb Mattes sich auf den Marktanteil konzentrieren will. „Wir müssen uns aus dem kleineren Kuchen ein größeres Stück herausschneiden.“ Das erste Quartal habe Ford in Deutschland einen Anteil von 7,6 Prozent gebracht, 1,8 Prozentpunkte mehr als ein Jahr zuvor.

Aber was ist, wenn spätestens Ende 2009 die Abwrackprämie ausläuft und das Geschäft nicht weiter ankurbeln kann? Der Ford-Chef zeigt wenig Angst vor einem Rückschlag. Er glaubt nicht, dass die zusätzlichen Autozulassungen dieses Jahres überwiegend vorgezogene Käufe seien. „Die Prämie versetzt Kunden, die früher teilweise mit festem Budget Gebrauchtwagen gekauft haben, zum ersten Mal in die Lage, sich ein neues Auto zu leisten.“ Das wisse er von seinen Händlern, genaue Zahlen dazu nennt er aber nicht.

Lieber fordert Mattes ein konsequentes weiteres Engagement vom Staat. Die Höhe der Abwrackprämie dürfe nicht angetastet werden, weder was die Höhe angehe noch über die Bedingungen. Der Erfolg der Prämie rühre auch daher, dass die bisherige Regelung so leicht verständlich war. "Das kann jeder begreifen, und das hat auch jeder begriffen." Zudem fordert Mattes, dass die Abwrackprämie auch für Freiberufler und Gewerbetreibende gelten soll. Und damit auch größere Autos wieder besser verkauft werden, könnte man doch „zeitlich befristet die Dienstwagenbesteuerung halbieren oder aussetzen“.