Pete Bethunes silbrig-glänzender Trimaran mit den Kohlefaserrümpfen, von zwei 540 PS starken Motoren angetrieben, legte in 60 Tagen, 23 Stunden und 49 Minuten die 24.000 Seemeilen (rund 44.500 Kilometer) lange Strecke rund um die Erde zurück. Als Bethune den spanischen Hafen Sagunto erreichte, hatte die "Earthrace" die bisherige Weltbestmarke der britischen Motoryacht "Cable & Wireless" von 1998 um 14 Tage unterboten.
Bethunes Schiff passierte, immer der Äquatorlinie folgend, in Rekordtempo die Azoren, rauschte an Puerto Rico vorbei durch den Panama-Kanal, überquerte den Pazifik und fuhr entlang der Südküste Asiens und durch den Suezkanal zurück nach Spanien. Das Rennboot, das mit seinen drei spitz zulaufenden Rümpfen die Wellen als "Wavepiercer" durchschneidet und so auch bei hohem Seegang keinen Geschwindigkeitsverlust hat, fuhr die Strecke mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 31,5 Kilometer pro Stunde – die zwölf Tankstopps sind da schon eingerechnet. Auf dem Zieleinlauf nach Sagunto gaben Bethune und seine Crew aber noch einmal Vollgas und donnerten mit fast 90 km/h übers Meer.
Doch der neuseeländische Ingenieur machte die wilde Hatz nicht nur aus Spaß an der Geschwindigkeit oder um sich Weltrekordhalter nennen zu dürfen. Mit seinem Projekt verfolgt er ein ehrgeiziges, auf den ersten Blick politisch korrektes Ziel: Mit seinem biodieselbetriebenen Schiff möchte Bethune für den verstärkten Einsatz von erneuerbaren Energien werben – wobei sein erfolgreicher Rekordversuch nicht gerade als Sparfahrt bezeichnet werden kann.
Ein erster Anlauf im Frühjahr vergangenen Jahres war gescheitert: Nach einer unglücklichen Verkettung von Materialschäden und einem tragischen Unfall vor der Küste Guatemalas, bei der die Earthrace nachts ein unbeleuchtetes Fischerboot überfuhr und ein Fischer ertrank, wurde der Rekordversuch abgebrochen. Die Crew wurde von jeglicher Schuld freigesprochen. Bethune, der sich selbst für das Projekt verschuldet und sogar sein eigenes Haus in Neuseeland dafür verkauft hatte, musste dennoch neue Geldgeber für das unterfinanzierte Projekt finden.
"Durch einen portugiesischen Sponsor, der die gesamten Kosten unseres aus Rapsöl gewonnenen Kraftstoffs übernahm, war die Tour erst möglich", sagt Bev Bailey vom Earthrace-Team. Zwölf Tankstopps musste die Yacht auf dem rasanten Ritt um die Erde einlegen. Der Diesel dafür wurde zuvor aus Portugal direkt in die vorher festgelegten Häfen gebracht.
"Durch die Festlegung der zwölf Zwischenstopps mussten wir mit unseren Tankkapazitäten genau haushalten", sagt Bailey. Für jeden Tankstopp in einem Hafen plante Bethune nur zwei Stunden ein – jeder Zollbeamte, der sich mit der nötigen Bürokratie unnötig lange Zeit ließ, konnte den Rekord gefährden. Diese kurzen Atempausen für die vierköpfige Crew nutzten auch die zahlenden Gäste an Bord, die sich für 10.000 US-Dollar und mehr einen Trip auf dem Rennkatamaran gönnten, zum Ein- und Aussteigen.
Rund 115.000 Liter Treibstoff hat Bethune bei seinem Rekordversuch verbraucht. Auch wenn die CO2-Bilanz nahezu ausgeglichen war: In Anbetracht der Diskussion, ob man Pflanzen verfeuern oder nicht lieber zur Nahrungsproduktion einsetzen sollte, bleibt ein schaler Nachgeschmack. Denn um die Welt fährt man auch sehr viel ökologischer und kann dabei auch noch drei Tage schneller sein.
Der französische Einhandsegler Francis Joyon bewies das bei seiner Weltumrundung Anfang dieses Jahres mit seinem Trimaran "Idec" – ohne Zwischenstopp, nur von der Kraft des Windes angetrieben, ohne Einsatz fossiler Energien. Die Batterien für seine elektrischen Geräte lud der Franzose mit Windkraft auf. Dabei nahm der Segler nicht die Abkürzung durch die Kanäle, sondern umrundete die drei Südkaps und legte 26.000 Seemeilen zurück. Noch schneller, aber mit Crew, segelte 2005 Bruno Peyron in exakt 50 Tagen um die Welt.
Doch Skipper Bethune betonte schon vor dem Rekordversuch, dass der Vergleich zwischen einem Segler und einem motorisierten Rennboot schwer möglich ist. Während die Segler für ihre prestigeträchtigen Projekte genug Sponsoren finden, die aufwendige, teure Yachtneubauten finanzieren, kämpfte die vierköpfige Mannschaft der "Earthrace" seit Beginn des Projektes immer wieder mit erheblichen finanziellen Problemen.
Für Pete Bethune hat sich nun ein Lebensziel erfüllt. Von den Strapazen der Reise gezeichnet, aber glücklich, das Ziel erreicht zu haben, macht er erst einmal mit seiner Frau Urlaub in Südengland. Doch noch ist sein Einsatz auf der "Earthrace" nicht abgeschlossen. Das Schiff tingelt weiter um die Welt, um in den Häfen Besucher anzulocken. Zudem ist die Teilnahme am Powerboat Grandprix in Norwegen geplant. Da braucht das Öko-Schiff dann wieder viel Sprit.




