Mit über 50 Stundenkilometern rast das Speedboot bei seiner ersten Probefahrt durch das Wasser. Lärm macht es dabei nicht. Und auch eine hohe Heckwelle ist nicht zu sehen. Im Gegenteil: Leise wie ein Dartpfeil zischt das Boot durch einen Kanal in den Niederlanden. Das Besondere ist, dass das Hochgeschwindigkeitsboot allein von Solarzellen angetrieben wird. Sie laden an Bord eingebaute Akkus auf und erzeugen Strom für den 80 Kilowatt starken Elektromotor.

„Leistungsfähige Solarzellen, ein geringes Gewicht von nur einer Tonne und eine spezielle Rumpfform machen das Boot so schnell“, sagt David Czap vom niederländischen Solarboothersteller Czeers.

David Czap und sein Kollege Nils Beers widerlegen mit ihrer Solarbootentwicklung ein Vorurteil, das lange galt: Solarzellen an Bord seien höchstens etwas für eine unterstützende Stromversorgung, etwa um die Energieversorgung des Kühlschranks zu gewährleisten.


Dabei sieht das von den beiden Mittzwanzigern entwickelte Speedboot ausgesprochen schnittig aus. „Wir wollen zeigen, dass Umweltfreundlichkeit und exklusives Design mit hohem Geschwindigkeitspotenzial kein Widerspruch sein müssen“, sagt Czap, der gemeinsam mit Beers an der Technischen Universität Delft Schiffsbau studiert hat. So wird das Boot zum Beispiel durch Touchscreen-Bedienelemente gesteuert, die Lederausstattung der Sitze ist handgearbeitet. Exklusive Firmen wie Perida, die auch den niederländischen Königshof beliefern, waren ebenfalls an dem schnellen Solarboot beteiligt. Mit an Bord ist auch Royal Huisman Shipyards, einer der bekanntesten Yachthersteller in den Niederlanden. Fünf Personen können auf der Czeers MK1 gleichzeitig mitfahren.


Bereits an der Universität hatten die Jungunternehmer ihre ersten Meriten im Solarbootbau erworben: Im Jahr 2006 gewannen sie mit einem selbst konstruierten Solarboot die sogenannte „Nuon Solar Challenge“, ein Solarbootrennen durch die Kanäle des niederländischen Friesland – für dieses Rennen entstand der erste Prototyp für den nun fertiggestellten MK1-Erstlingsbau. „Die erste Hürde war dabei die Suche nach einem möglichst leichten Akku für das Schiff, die zweite Hürde war die Auswahl der passenden Solarmodule, die einerseits trittfest sein sollten, aber auch einen hohen Wirkungsgrad bei der Stromerzeugung haben mussten“, sagt David Czap.


Vor allem das Gewicht stellte bei der Konstruktion des Bootes eine Herausforderung dar: Wiege ein vergleichbar großes Riva-Motorboot um 3,5 Tonnen, so bringe die Czeers MK1 inklusive aller technischen Einbauten gerade einmal eine Tonne auf die Waage – leer wiege das Boot sogar nur 400 Kilogramm. „Bei der Konstruktion nutzten wir beispielsweise Wissen, das bei der alle zwei Jahre in Australien stattfindenden Wettfahrt mit Solarfahrzeugen gewonnen wird“, sagt Czap. Dazu zählt eine Antriebstechnik, die möglicht effizient Energie im Motor überträgt.


Im Endergebnis ist der gesamte vordere Teil des Schiffes mit Solarmodulen bedeckt, die für den Bau von einer niederländischen Spezialfirma entwickelt wurden: Insgesamt 14 Quadratmeter Solarzellen machen es möglich, dass das Boot während der Fahrt aufgeladen wird. Bis zu einem Tempo von zehn Knoten – umgerechnet 18 Stundenkilometer – fährt das Boot sogar nur mit Solarenergie. Dann zieht es aus den Akkus weniger Strom als gleichzeitig durch die Sonne eingespeist wird. Dahinter steckt ein patentiertes Konzept, das der niederländische Solarmodulhersteller Tendris entwickelt hat: Werden Solarmodule normalerweise unter Glas geschützt, so haben Czap und Beers beim Bau ihre Solarbootes mit Epoxydharz gearbeitet – es ist zu 98 Prozent lichtdurchlässig und nutzt Sonnenstrahlung perfekt aus.


Gerade hat Czeers sein erstes Boot bereits verkauft – eine Sonder-Ausführung für 120.000 Euro, das für längere Streckenfahrten gedacht ist. Die Modelle des Typs MK1 kosten um 675.000 Euro.