Wertverlust

Harte Zeiten für Fahrer von Autos der Mittelklasse

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Lutz Algermissel

Auto-Deutschland 2009: Gepackt vom Abwrackfieber, hat die Nation sich mit Kleinwagen eingedeckt. Ein Trend mit Folgen. Denn das seit Jahresbeginn schrumpfende Käuferinteresse an BMW 3er oder Mercedes C-Klasse führt zum Einbruch bei deren Restwerten – und macht ihren Betrieb immer teurer.

Der Abwrackprämie sei Dank: Die Zahl der Neuzulassungen von Autos in Deutschland legte von Januar bis April 2009 im Vergleich zum Vorjahr laut Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) um 18,4 Prozent zu. Die Profiteure des Booms kommen aber allesamt aus der Kleinst- und Kleinwagen- sowie der Kompaktklasse. Die ehemals zugkräftige Mittelklasse gerät mit einem Minus von acht Prozent hingegen zusehends unter Druck – dadurch rutschen sogar die Restwerte der Gebrauchtwagen in den Keller.

Denn mit immer weniger Erfolg buhlen in der Mittelklasse Modelle wie der Audi A4, die BMW 3er-Reihe und die Mercedes C-Klasse um die Gunst der Käufer. „Der Abwärtstrend besteht weiterhin, sowohl bei der Nachfrage als auch bei den Restwerten“, sagt Michael Bergmann, Geschäftsführer des Marktforschungsunternehmens Eurotax Schwacke „Einzige Ausnahme bilden die Jahreswagen, hier hat der Handel im Vergleich zum Vorjahr deutlich mehr Verkäufe aufzuweisen, was auch auf die Umweltprämie zurückzuführen ist.“

Laut Eurotax Schwacke ist ein drei Jahre alter Mittelklassewagen heute durchschnittlich nur noch rund 15.400 Euro wert – das ist im Vergleich zum Vorjahr ein Preisverfall von rund zwölf Prozent. Gebrauchtwageninteressenten orientierten sich in den heutigen Zeiten mehr zu kleineren Autos hin. Im Gebrauchtwagensegment der Mittelklasse seien zurzeit Fahrzeuge mit sparsamen Motoren in der Preisklasse zwischen 11.000 bis 16.000 Euro gesucht mit einer Laufleistung von unter 100.000 Kilometern sowie Jahreswagen. Weniger attraktiv aus Sicht der potenziellen Gebrauchtkunden seien dagegen die Modelle mit Hochleistungsmotoren.

Bedingt durch den Restwertverfall steigen auch die Betriebskosten der Mittelklassefahrzeuge auf immer höheres Niveau, wie aus einer aktuellen Schwacke-Analyse gängiger Mittelklassewagen und ihrer Folgekosten hervorgeht. Dabei beinhalten die Betriebskosten pro Kilometer neben dem Wertverlust relevante Kosten wie zum Beispiel Reifenverschleiß, Wartung und Reparaturen, Kraftstoff, Versicherungsbeiträge und Kosten für die Kfz-Steuer.

Und bei diesen Posten gibt es deutliche Unterschiede: Die Betriebskosten bei der Mittelklasseauswahl klaffen pro 100 Kilometer zwischen 50,35 Euro für den Audi A4 1.8 TFSI und 62,17 Euro für den besonders sparsamen Mercedes C 220 T CDI BlueEfficiency auseinander. Dem Mercedes verhagelt der um 8000 Euro höhere Neupreis im Vergleich zum Audi die Bilanz. Bei einer Haltedauer von vier Jahren und einer Laufleistung von 60.000 Kilometer summiert sich der höhere Kostenaufwand im Vergleich zum Konkurrenten A4 auf fast 7100 Euro.

Ähnlich kostspielig wie der Mercedes ist der Ford Mondeo 2.3 Trend, der trotz eines vergleichsweise günstigen Anschaffungspreises von 28150 Euro auf eine Summe von 60,30 Euro pro 100 Kilometer kommt. Und auch die neuen Modelle Opel Insignia 2.0 CDTI Edition als Kombi (59,83 Euro pro 100 Kilometer) und Limousine (58,45) kommen im Kostenkapitel eher schlecht weg.

Betriebskosten von rund 50 Euro pro 100 Kilometer bescheinigen die Marktbeobachter hingegen lediglich dem 160 PS starken A4 1.8 TFSI, alle anderen Modelle liegen darüber. Mit rund einem Euro Betriebskosten mehr pro Kilometer kommen der Toyota Avensis 1.8 (51,43 Euro) und der BMW 318i (51,61 Euro) dem Audi A4 noch am nächsten.