Allradneuheiten

Geländewagen – Schlammschlacht wird sauberer

| Lesedauer: 4 Minuten
Thomas Geiger

Wer dieser Tage über Deutschlands Straßen rutscht, träumt vielleicht von einem Auto mit Allradantrieb. Ansonsten gelten die Geländegänger vielen als durstige und rückschrittliche Ungetüme. Jetzt bringen die Hersteller jedoch eine Reihe neuer, abgespeckter und sparwilliger Modelle.

Sie sind das Feindbild aller Klimaschützer und gelten als Symbol automobiler Unvernunft. Und trotzdem gehören Geländewagen noch immer zu den Konstanten in der Zulassungsstatistik. Damit das auch so bleibt, geht die Industrie zusehends auf Kuschelkurs und bringt in diesem Jahr eine ganze Reihe neuer Modelle an den Start, die schlanker und sparsamer sind als je zuvor.

Das beste Beispiel dafür ist der Mini Countryman, der im Sommer als vierte Spielart des bayerisch-britischen Erfolgsmodells in den Verkauf geht. Mit vier Türen, einer Länge von 4,10 Metern und bis zu 1170 Litern Kofferraumvolumen ist der kleine Kraxler zwar der größte Mini aller Zeiten. Doch unter den Geländewagen ist er ein ganz kleiner. Das gilt auch für den Verbrauch: Obwohl die Motoren ein Leistungsspektrum von 90 bis 184 PS abdecken und auf Wunsch selbstverständlich mit Allradantrieb kombiniert werden, ist der sparsamste mit 4,3 Litern zufrieden.

Ganz ähnlich gestrickt ist der Nissan Juke, der den Erfolg des Qashqai aus der Golf- in die Polo-Klasse bringen soll und mit einem Geländewagen nicht viel mehr gemein hat als die etwas robustere Optik und die erhöhte Bodenfreiheit. Einen Allradantrieb für den 4,06 Meter langen Großstadtabenteurer wird es jedoch nur gegen Aufpreis geben.

Gleiches gilt für den Dacia Duster, mit dem sich die rumänische Renault-Tochter in diesem Sommer erstmals auf die Buckelpiste wagt. Wo andere sich dünne machen, geht der 4,25 Meter lange Draufgänger mit massiven Planken und weit ausgestellten Blechen in die optische Offensive. Mit Blick auf den Kampfpreis von etwa 12.000 Euro fährt zwar das Basismodell des aus Logan- und Clio-Komponenten gebauten Wagens nur mit Frontantrieb. Doch wenigstens auf Wunsch gibt es den mit 85 bis 110 PS lieferbaren Duster – der Schützenhilfe von Konzernschwester Nissan sei dank – auch als 4x4.

Dagegen zeugen die beiden vielleicht wichtigsten Neuheiten der Saison von der neu entdeckten Vernunft der Autobauer – obwohl sie am entgegen gesetzten Ende der Skala zu Hause sind: Der VW Touareg und der Porsche Cayenne. In der zweiten Generation werden die beiden noblen Bestseller nicht nur ein wenig zierlicher und gleich mehrere Zentner leichter. Auch die Motoren brennen künftig auf Sparflamme und werden zum Teil sogar elektrisch unterstützt: Denn vom Start an soll es die Zwillinge diesmal auch mit Hybridantrieb geben.

Der bisherige Platzhirsch aus München hat sich für die neuen Wettbewerber bereits gewappnet: Pünktlich zum Start von Touareg und Cayenne bringt BMW deshalb einen frisch gelifteten X5 an den Start. Seine vier Motoren kommen von Siebener und Fünfer, bieten zum Teil deutlich mehr Leistung und trotzdem bis zu 20 Prozent weniger Verbrauch. Nur der Hybridantrieb bleibt dem sportlichen Bruder X6 vorbehalten.

Aber der X5 ist nicht die einzige Geländewagen-Neuheit der Münchner. Während der gerade vorgestellte X1 so langsam auf die Straße rollt und der X5 sich frisch macht für die zweite Halbzeit, bereiten die Bayern für den Herbst den Start des nächsten X3 vor und zielen damit vor allem auf Aufsteiger wie den VW Tiguan, den Audi Q5 und den Mercedes GLK.

Apropos Mercedes. Dort wird man den Wettbewerb erst mal ein bisschen ziehen lassen und sich langsam rüsten: Die neue M-Klasse kommt nämlich erst 2011.

Auch die Asiaten fahren mit gebremster Abenteuerlust durch dick und dünn: So bringt Mitsubishi als Nachfolger des Pajero einen kleinen Crossover-Kraxler unterhalb des Outlander. Und aus Korea rollen die Nachfolger von Hyundai Tucson und Kia Sportage an: Beide Autos sind länger, breiter und flacher geworden, sehen nun viel gefälliger aus, fahren mit Dieseln aus Europa und bekommen sogar eine Start-Stopp-Automatik. Hyundai dokumentiert das auch im Namen, lässt den Tucson fallen und feiert das Debüt des ix35.

Aber nicht alle Autos folgen dem Kuschelkurs. Dass es auch anders gehen kann, will Mercedes mit der R-Klasse beweisen. Nachdem der Reisegleiter bislang irgendwo in der Nische zwischen Van, Geländewagen und Kombi verloren ging, soll ihn zum Sommer hin eine gründliche Modellpflege näher an ML und GL rücken und ihm so endlich zum Durchbruch verhelfen.