Crossover

Der Mitsubishi ASX reitet auf der weichen Welle

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Benjamin Bessinger

Nachdem Mitsubishi – dem Pajero sei Dank – lange Jahre als Allrad-Spezialist galt, nehmen die Japaner jetzt Abschied vom Abenteuer und lenken den Kurs zurück auf die Straße. Das jüngste Beispiel dafür ist der ASX, der als Crossover im Juni an den Start geht und Nissan Qashqai und Skoda Yeti einheizen soll.

Die Preise beginnen zunächst bei 20.990 Euro, weil es den ASX ab Juni erst einmal nur als Diesel gibt. Wenn im September der Benziner nachgereicht wird, sinkt die Einstiegspreis auf 17.990 Euro.

Technisch ist der ASX ein enger Verwandter des Outlander, von dem er immerhin 70 Prozent der Teile übernimmt. Allerdings haben die Japaner den Wagen gründlich eingedampft: Er wird fast 40 Zentimeter kürzer, 300 Kilo leichter und bekommt obendrein serienmäßig eine Stopp-Start-Automatik für alle Modelle. So passt er deutlich besser in die Zeit.

Aber auch nach der Schrumpfkur ist der ASX kein Kleinwagen. Zwar findet man bei 4,30 Metern überall einen Parkplatz und behält immer die Übersicht. Doch weil der Radstand wie beim Outlander 2,67 Meter misst, hat man auf allen Plätzen genügend Bewegungsfreiheit. Nur am Kofferraum merkt man das neue Format. Er fasst gerade einmal 416 Liter und bleibt damit deutlich hinter vielen Konkurrenten zurück. Immerhin: Unter dem Ladeboden gibt es noch ein 30 Liter großes Geheimfach, und mit wenigen Handgriffen fällt die Rückbank nach vorn.

Dass Mitsubishi auch den Preis kräftig reduziert hat, kann man dem ASX zumindest auf den zweiten Blick ansehen. Die Ausstattung geht mit sieben Airbags, Klimaautomatik, ESP und der Option auf Luxus-Extras wie dynamisches Xenon-Licht, Festplatten-Navigation oder Panoramadach vollkommen in Ordnung. Aber die Materialauswahl zeugt vom deutlichen Sparkurs der Japaner: Manche Schalter und Schieber wirken dabei gar zu billig.

Ebenfalls ein Tribut an den relativ niedrigen Einstiegspreis und natürlich an den Zeitgeist ist das Antriebskonzept. Denn serienmäßig ist der ASX ein ganz normaler Fronttriebler, der optisch ein wenig auf harte Schale macht, aber in Wirklichkeit auf der weichen Welle reitet. Nur für den Diesel und auch dann nur für 1800 Euro Zuschlag gibt es einen Allradantrieb, der sich entweder automatisch Zuschaltet oder fix ein- und ausgeschaltet werden kann.

Hinter dem für Mitsubishi typischen „Jet-Fighter“-Grill steckt zum Start ein nagelneuer Dieselmotor, der auf den ersten Metern eine ganz ordentliche Figur macht. Vielleicht ein bisschen laut und knochig, aber dafür kräftig, schöpft er aus 1,8 Litern Hubraum 150 PS und geht mit bis zu 300 Nm Drehmoment zu Werke. Wer geschickt durch das gut gestufte Sechsgang-Getriebe schaltet, schafft so den Spurt auf Tempo 100 beim Fronttriebler in 9,7 und beim AWD in 10,0 Sekunden, Schluss ist bei 200 bzw. 198 km/h. Schon das ist ein ganz ordentlicher Wert. Doch wirklich glänzen kann der ASX mit seinem Normverbrauch von 5,5 oder 5,7 Litern. Spätestens da machen sich die Fastenkur, die rollwiderstandsreduzierten Reifen und die Start-Stopp-Automatik bezahlt.

Wer lieber beim Händler als beim Tanken knausern will, für den reichen die Japaner im Herbst einen Benziner nach. Der hat 1,6 Liter Hubraum, muss mit einem Gang weniger auskommen und erreicht nur 117 PS. Außerdem gipfelt die Drehmomentkurve bereits bei 154 Nm. Deshalb braucht er bis Tempo 100 auch 11,4 Sekunden und stößt schon bei 183 km/h an seine Grenzen. Der Verbrauch: 5,9 Liter.

Für Mitsubishis Deutschlandchef Martin van Vugt ist der ASX ein weiter Beleg für die Abkehr vom Abenteuer und die Konzentration auf Straßenfahrzeuge, der den charmanten Verführer im Kreis der deutschen Langweiler geben will.

Dennoch ist er nicht so vermessen, gerade Golf & Co besonders viele Kunden abnehmen zu wollen. An ehrgeizigen Zielen mangelt es ihm trotzdem nicht: In diesem Jahr will er noch 5500 und im nächsten Jahr sogar 11.000 ASX verkaufen.

( sp-x )