Was Mercedes und Audi können, das können wir auch. Mit dieser Ansage rollt Renault schon jetzt die erste Studie für den Pariser Salon ins Rampenlicht – und was für eine. Weil sich die Marke, die gemeinsam mit Nissan den Aufstieg zum Weltmarktführer für elektrische Mobilität plant, nicht weiter von E-Tron und SLS E-Cell die Show stehlen lassen will, zeigen die Franzosen beim Heimspiel Ende September in Paris ihren eigenen Supersportwagen mit Elektroantrieb.

Der 4,23 Meter lange Zweisitzer, zugleich das Erstlingswerk des neuen Designchefs Laurenz van den Acker (er kam von Mazda), heißt DeZir und macht seinen Namen zum Programm: Ausgesprochen wie „Desire“ steht das auf Englisch und Französisch für „Begehren“ und „Begierde“.

„Den will ich haben, und zwar sofort,“ ist deshalb die erste Reaktion, die das Designmteam auslösen möchte. Dafür setzt van den Acker auf eine radikal neue Sprache, die bei seinen letzten Entwürfen für Mazda von relativ organischen Formen lebt: Das Innenleben des weit aufgerissene Kühlers zum Beispiel erinnert an die Barten eines Wals, die Flanken wirken muskulös und das Heck nimmt den zurückgezogenen Stil der Frontpartie wieder auf. Dazu gibt es faszinierende Scheinwerfer, die teils durch die Karosserie hindurch schimmern, und als Kopie des Audi R8 ein perforiertes Seitenblech aus poliertem Aluminium.

Auch innen gibt sich der Dezir verführerisch: Wer die links mit und rechts entgegen der Fahrtrichtung angeschlagenen Flügeltüren aufschwingen lässt, blickt in ein weiß beledertes Abteil für kuschelige Zweisamkeit. Um das zu illustrieren, sind selbst die beiden Sitze miteinander verwoben.

Aber der DeZir ist mehr als ein Schaustück. Mit ihm will Renault obendrein die Faszination fürs Elektroauto wach halten, das die Franzosen 2011 gleich in vier Bauformen an den Start bringen. Weil aber weder der Kangoo noch der Fluence wirkliche Pulsbeschleuniger sind, spielen sie nun die sportliche Karte und setzen auf elektrische Emotionen. Dafür steht ein E-Motor mit 150 PS und 226 Nm.

Das klingt bescheiden. Doch weil die Flunder mit ihrer Karbon-Karosse keine 900 Kilogramm wiegt, sind die Fahrleistungen auf Ferrari-Niveau: Nur zwei Sekunden vergehen bis Tempo 50, in fünf Sekunden fährt man 100, und das Limit bei 180 km/h ist nur der Reichweite geschuldet. So soll man nämlich mit einer Akku-Ladung immerhin 160 Kilometer weit kommen.

Wo andere Elektroautos danach stundenlang in die Box müssen, macht Renault in der begehrlichen Vision die Kunden schnell wieder flott: An der normalen Steckdose dauert das Laden zwar auch bei den Franzosen acht Stunden, und an einem Schnellader sind 80 Prozent in 20 Minuten auch kein Hexenwerk. Doch als einzige setzen sie auch auf das „Quick-Drop“-Prinzip und können den leeren Akku an speziellen Wechselstationen ("Betterplace") in wenigen Minuten automatisch gegen einen vollen austauschen. Verglichen mit anderen Ladezyklen ist das ein Boxenstopp im Formel1-Tempo.

So, wie der Wagen in ein paar Wochen auf dem Messestand von Paris steht, wird es ihn auf der Straße freilich nie geben. Doch zumindest Teile davon haben das Zeug für die Zukunft. Elektroautos will Renault bereits nächstes Jahr in die Serie bringen. Und die neue Designsprache van den Ackers dürfte sich spätestens in zwei Jahren am nächsten Clio wiederfinde – hoffentlich.