Probefahrt

Der Honda Insight ist eine sparsame Spaßbremse

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Stefan Anker

Zwar sind die Japaner Vorreiter bei der Entwicklung von Hybrid-Fahrzeugen, allerdings haben sie dabei den Fahrspaß zumeist ziemlich weit hinten im Lastenheft vermerkt. So lässt sich der Honda Insight zwar dank zusätzlichem Elektromotor sparsam bewegen, aber mehr als ein reines Transportmittel ist das Auto nicht.

Nicht jedes Auto muss jedem gefallen, nicht jedes Auto eignet sich für jeden, und ein Modell wie der Honda Insight hat gute Chancen, solche freundlich formulierten Ablehnungen häufig zu hören.

Wenn man ein Auto nur um den niedrigen Verbrauch herumkonstruiert, dann fehlt ihm das Leichte, das Selbstverständliche, letztlich das Begehrenswerte.

Als Mild-Hybridmodell hat der Honda Insight nicht nur einen Vierzylinder-Benziner unter der Haube, sondern ein kleiner Elektromotor schiebt beim Anfahren und Beschleunigen mit an. Er kann das Auto aber nicht allein bewegen, wie es etwa beim Vollhybridmodell Toyota Prius möglich ist.

Wer die Bedienungsanleitung genau studiert, lernt, dass doch für ganz kurze Phasen etwas geht: Man halte das Gaspedal stabil und ziehe dann den Fuß ganz leicht zurück. Dann lässt sich an der Batterie-Anzeige erkennen, wie das Auto sekundenlang ohne Sprit fährt. Aber was soll das? Am Ende befasst sich der Fahrer mehr mit den Öko-Anzeigen im Cockpit als mit dem Geschehen auf der Straße. Neben der grafischen Darstellung des Kraftflusses zwischen Akkus und Motor, den alle Hybridautos bieten, zeigt der Honda Insight einen Farbverlauf zwischen grün (sparsames Fahren) und blau an, außerdem kann man zusehen, wie in einer Anzeige kleine Bäumchen wachsen und sich vermehren – je mehr man hat, desto sparsamer ist man gefahren.

Dabei hilft neben dem kleinen Elektromotor auch die Start-Stopp-Automatik. Die haben jetzt viele Autos, aber beim Hybrid gehört sie notwendigerweise dazu: Statt eines Anlassers startet der Elektromotor das Auto, da kann man sich die automatische Abschaltung erlauben, ohne zu befürchten, dass irgendwann die Batterie leergestartet ist – zumal die Akkus im Hybridwagen ja immer während der Fahrt geladen werden.

Beim Testwagen ging der Motor immer nur für wenige Sekunden aus, das Spritsparen im Stand hielt nicht mal für eine Rotphase an der Ampel vor. Später kam ein Anruf von Honda: Die normale Autobatterie für die elektrischen Geräte sei nicht im besten Ladezustand gewesen, der Benzinmotor habe anspringen müssen, um beim Erzeugen von Bordstrom zu helfen.

Einen großen Vorteil hat der Honda Insight aber: Man muss für ihn kaum Hybrid-Zuschlag bezahlen: Mit einem Preis von 19.550 Euro ist er deutlich billiger als der Toyota Prius (24.950 Euro). Der Nachteil: Er macht auch weniger Spaß. Mit seiner stufenlosen Automatik und der teigigen, indirekten Lenkung bleibt nicht viel mehr von diesem Auto übrig, als dass es einem hilft, mobil zu sein. Platzangebot und Verarbeitung sind allerdings auf ordentlichem Niveau, auch für das aerodynamische Design wird es Liebhaber geben – es signalisiert schon im Stand: Ich bin sparsam. Und Benzinverschwendung mag das Auto ja auch nicht: Wer auf der Autobahn Gas gibt, hört den Motor brüllen, aber Schub gibt es kaum.

Bis die Spitze von 182 km/h erreicht ist, dauert es elend lang, man vergisst das besser schnell wieder. Mit gefühlvollem Fahrstil ist dagegen ein Alltagsverbrauch von 5,0 l/100 km möglich, der nicht sehr stark von der Werksangabe (4,4 Liter) abweicht. Das ist ein guter Wert, aber mit einem modernen Dieselmotor könnte man so einen Verbrauch ebenfalls erreichen. Und hätte mehr Vergnügen beim Fahren.