Jetzt will es Renault aber wissen: Nachdem sich die französischen Marken bislang beim Wettrüsten in der Kompaktklasse meist vornehm heraus gehalten haben, lässt nun der Mégane die Muskeln spielen: Ein Kraftmeier mit 250 PS und dicken Backen lässt Konkurrenten wie den Golf GTI oder den Ford Focus ST ziemlich alt aussehen und legt sich stattdessen gleich mit den Leistungsträgern in dieser Liga an.

Mazda 3 MPS, Focus RS, Seat Leon Cupra R und natürlich der neue Golf R heißen deshalb die aktuellen Rivalen, wenn der Renault von Ende November an über Landstraßen und Rennstrecken jagt.

Der sportlichste Franzose in dieser Klasse basiert auf dem Mégane Coupé, ist aber deutlich muskulöser. Die Front ist ungewöhnlich aggressiv und trägt im Kühlergrill die Flügel der aktuellen Formel-1-Renner, in deren Ende das Tagfahrlicht mit LED-Technik integriert wurde. Die Kotflügel sind weiter ausgestellt, die Flanke ziert ein dicker Schweller, und am Heck prangt ein mächtiger Diffusor, der den Wagen auch in schnellen Kurven besser auf der Straße halten soll.

Unter der Haube steckt der weiterentwickelte Turbo des Vorgängermodells. Aus zwei Litern Hubraum holt er nun 250 statt bislang 224 PS und reißt mit bis zu 340 Nm an den Vorderrädern. Weil der zweistufige Lader schnell anspricht und das Turboloch deshalb klein bleibt, reichen ihm bereits 1900 Touren für die maximale Anzugskraft, so dass man nicht allzu oft zum eng gestuften Sechsgang-Getriebe greifen muss.

Wer damit geschickt umzugehen versteht, sprintet in 6,1 Sekunden auf Tempo 100 und jagt wenig später mit 245 km/h über die linke Spur. Der Golf GTI wird da im Rückspiegel schon ziemlich klein.

Wer großes leistet, hat natürlich auch großen Durst. Deshalb liegt schon der Normverbrauch bei 8,4 Litern (CO2-Ausstoß: 195 g/km), und bei artgerechtem Einsatz wird der Bordcomputer nur selten einstellige Werte zeigen.

Damit die Kraft ordentlich auf die Straße kommt, hat Renault auch Fahrwerk und Lenkung überarbeitet.

Außerdem gibt es nun auf Knopfdruck etwas mehr Spielraum für die schnelle Kurverei: Einmal die ESP-Taste getippt, geben sich die elektronischen Helfer etwas toleranter und greifen später ein, und die Motorsteuerung reagiert spontaner auf den Gasfuß. Wem das noch nicht reicht, der kann gegen Aufpreis das so genannte Cup-Fahrwerk samt mechanischer Differentialsperre bestellen

Gegen den Renault Mégane S (Preis: 26.650 Euro) oder auch den Mazda 3 MPS (260 PS, 27.400 Euro) kommt der Platzhirsch aus Wolfsburg nun gehörig in Zugzwang. Denn mit seinen 210 PS kann der Golf GTI gegenüber beiden kaum mithalten. Doch lange will sich VW von den eiligen Aufsteigern nicht auf der Nase herumtanzen lassen müssen.

Deshalb wird gerade den Start des neuen Golf R vorbereitet. Er wird zwar mit einem Grundpreis von 36.400 Euro rund ein Drittel teurer als der Renault sein. Doch mit 270 PS, einem Sprintwert von 5,7 Sekunden und Höchsttempo 250 km/h wird er die Rangfolge in der Kompaktklasse wohl wieder zurechtrücken.