Fast weltweit brechen die Automobilmärkte ein und werden mit Staatsgeldern am Leben gehalten. Der chinesische Markt aber zeigt sich von der Krise - trotz leichter Bremsspuren - kaum beeindruckt und könnte nach Einschätzung von Analysten in diesem Jahr um sieben und im nächsten Jahr um 7,5 Prozent wachsen.
Kein Wunder, dass die Stimmung auf der Auto Shanghai 2009 fast so gut ist, wie auf den europäischen Ausstellungen vor dem Einbruch. Zumal Shanghai zumindest in diesem Jahr der Herbstmesse in Tokio deutlich den Rang abläuft: Gerade hat mit Porsche der letzte deutsche Hersteller für Japan abgesagt.
Nicht ohne Grund hat Porsche die Weltpremiere seiner neuen viersitzigen und viertürigen Sportlimousine Panamera getreu dem Messemotto "Die Kunst der Erneuerung" nach Shanghai verlegt. Und Mercedes präsentiert in der drittgrößten Stadt Chinas seine neue E-Klasse und die überarbeiteten Modelle der S-Klasse mit Schwerpunkt auf der Hybrid-Version. Denn erstmals kommen bei Daimler in einem Serienfahrzeug die bislang wegen ihrer Hitzeentwicklung als problematisch geltenden, aber leistungsstarken Lithium-Ionen-Batterien zum Einsatz.
Für den allergrößten Teil der Chinesen, auch für die sich immer stärker herausbildende Mittelschicht, bleiben solche Fahrzeuge natürlich ein Traum. Insgesamt nimmt die Motorisierung jedoch stetig zu. Mit 5,8 Millionen Einheiten (2008) ist China nach den USA derzeit bereits der zweitgrößte Pkw-Markt der Welt. Innerhalb von nur fünf Jahren wird sich die Zahl der Neuzulassungen nach Schätzungen von Marktanalysten auf rund elf Millionen Einheiten mehr als verdoppeln.
Marktführer Volkswagen will sich einen großen Batzen davon sichern und strebt bis 2018 eine Verdoppelung des derzeitigen Absatzes auf zwei Millionen Fahrzeuge an. Im letzten Jahr kauften die Chinesen rund 900.000 VW und 120.000 Audi. Dagegen muten die Zahlen der anderen deutschen Marken noch vergleichsweise bescheiden an: BMW konnte rund 75.000 Fahrzeuge, Mercedes 43.000 Einheiten und Porsche gerade mal 900 Fahrzeuge absetzen.
Und der Wettbewerb wird härter: besonders die chinesischen Hersteller präsentieren sich 2009 mit gewachsenem Selbstbewusstsein. Geely, Brilliance, Dongfeng, BYD, Roewe, SAIC und die vielen anderen für den Europäer manchmal kaum zu unterscheidenden Marken zeigen neben den üblichen Kleinwagen zunehmend auch Fahrzeuge der Kompakt- und Mittelklasse. Ganz zu schweigen von einer Unmenge Konzepte, die sich mit Hybrid-und Elektroantrieb beschäftigen. Dabei zeigt sich der ungebrochene chinesische Hang zum Plagiat. Die Palette der mehr oder weniger geschickt kopierten Autos reicht von japanischen Kleinwagen über Mini-Nachbauten bis hin zum China-Rolls-Royce.
Wenn sich die chinesischen Hersteller dagegen um eigene Identität bemühen, sieht das Ergebnis heute schon wesentlich vielversprechender aus, als noch vor zwei oder drei Jahren. Vor allem den koreanischen und japanischen Herstellern erwächst hier kurzfristig eine ernstzunehmende Konkurrenz.
China wird auch in den nächsten Jahren eine relativ sichere Bank für die Automobilhersteller bleiben. Auch wenn die Zeit der ganz großen, teilweise bei jährlich über 20 Prozent liegenden Zuwachsraten vorbei ist, wird das Reich der Mitte bis spätestens 2020 zum weltweit größten Automarkt werden. Immer schneller werden hier auch die politischen Trends kopiert. So förderte die chinesische Regierung im März über eine Halbierung der Verkaufssteuer erstmals den Absatz von Kleinwagen mit Motoren mit weniger als 1,6 Litern Hubraum.
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