Einer von ihnen bekam zum 18. Geburtstag ein Auto geschenkt - einen VW Golf, entweder als Cabrio oder als GTI, jedenfalls nagelneu.

Natürlich fuhr er täglich damit zur Schule, und natürlich stellte er den Wagen auf dem Lehrerparkplatz ab - andere Parkplätze gab es auch gar nicht. Dass man Stellflächen für Autos von Schülern einrichtet, wie jüngst an der Schule meines Sohnes geschehen, ist eine Erfindung der Neuzeit.

Der Mitschüler mit seinem Golf, den wir insgeheim zutiefst beneideten, parkte also nicht nur zwischen den Lehrerautos, er tat das auch ziemlich schwungvoll. Heranbrausen, Lenkrad herumreißen, in die Lücke stechen, Wirkung genießen - wir haben ihn so gehasst. Bis er eines Tages den Wagen eines Mathelehrers streifte. Oder rammte er ihn, zerstörte ihn gar? Da spielt mir die Erinnerung einen Streich, ich weiß es nicht mehr. Ich bin auch nicht sicher, ob sich nun die ganze Schule in Schadenfreude erging oder nur ich. Jedenfalls war fortan Ruhe auf dem Lehrerparkplatz, jemand hatte seine Lektion gelernt.

Popper sind Vergangenheit, aber 18-Jährige gibt es noch. Und denen will VW, aus "Verantwortung", den neuen GTI nicht verkaufen, wenn sie nicht auch ein kostenloses Fahrsicherheitstraining dazunehmen. Was ist denn das für ein Signal? Entweder bietet man einen Golf mit 210 PS an und ist stolz darauf - oder man hat Hemmungen und lässt es eben bleiben mit dem GTI.

Vielleicht hätte dem Schnösel von damals ein Training ja geholfen, etwas über die Kräfte zu verstehen, die beim Autofahren wirken, selbst beim Einparken. Aber dann dachte ich nicht mehr an gestern, sondern an morgen. Wenn die heute Sechsjährigen sich einen Gebraucht-GTI holen. Ein Sicherheitstraining werden sie dann nicht geschenkt bekommen. VW wird sich für sie auch nicht interessieren.