So langsam wird es eng auf der Überholspur. Denn wer dachte, Umweltdiskussion und Finanzkrise würden das Feld der Supersportwagen ausdünnen, wird in diesem Herbst eines besseren belehrt: Ferrari 458, Mercedes SLS, Porsche 911 Turbo, Aston Martin One-77 – aus allen Ecken schießen demnächst neue Tiefflieger hervor. Und jetzt mischt sogar noch eine neue Marke mit. Denn zwölf Jahre nach dem legendären F1, der lässt der britische Rennstall McLaren nun einen neuen Spitzensportler mit Straßenzulassung vom Stapel. Treu und brav der internen Nomenklatur folgend, trägt der Zweisitzer das Kürzel MP4-12C und überrascht mit einem ungewöhnlich zurückhaltenden Design.

Nicht dass es ihm an Sportlichkeit mangeln würde, und zumindest die Flügeltüren sorgen vor dem Casino von Monte Carlo oder jedem Nobelhotel zwischen Moskau und Miami für den richtigen Showeffekt.

Doch wo andere Sportwagen dieses Kalibers aggressiv und provozierend wirken, bleiben die Briten höflich und zurückhaltend. Einzig die riesigen Kiemen an der Flanke, die unkonventionellen Endrohre auf Hüfthöhe, der ausklappbare Spoiler vom Format eines Bügelbretts und natürlich das Fenster zum Motorraum im Heck lassen vermuten, welch heißes Herz unter der kühlen Hülle aus lackiertem Karbon schlägt.

In Fahrt bringt den Zweisitzer ein eigens entwickelter Mittelmotor mit acht Zylindern und nur 3,8 Litern Hubraum, der aber dank zweier Turbos runde 600 PS leisten wird. Auch wenn McLaren noch keine Daten verrät, sollte das für exorbitante Fahrleistungen genügen – zumal McLaren wie in der Formel1 um jedes Gramm gekämpft hat. Das, so versprechen die Briten, merkt man nicht nur auf der Überholspur, sondern auch an der Tankstelle. “Natürlich wird dieses Auto extrem schnell sein, aber eben auch extrem sparsam: Kein anderes Auto bietet so ein eindrucksvolles Verhältnis von Leistung und CO 2 wie der neue McLaren. Und das schließt selbst Hybrid-Modelle mit Benzin- oder Dieselmotor ein", sagt Geschäftsführer Antony Sheriff.

Gebaut wird der Zweisitzer am Stammsitz in Woking, wo die Briten bislang in Kooperation mit Mercedes den SLR auf die Räder gestellt haben. Nachdem dort in diesen Tagen so langsam die letzten Karbon-Karosserien aus den Backöfen kommen, können sich die Mechaniker auf bewegte Zeiten einstellen: Schließlich will McLaren-Chef Ron Dennis bereits im ersten Jahr mindestens 1000 der komplett selbst entwickelten Autos verkaufen.

Zugegeben: Die Zeiten für den Neustart eines Supersportwagens könnten besser sein. Denn Aktienkurse im Tiefflug und dahin geschmolzene Broker-Boni sind nicht gerade der optimale Nährboden für so ein Prestige-Projekt. Doch ficht Dennis das nicht an: „Ich bin überzeugt davon, dass es für uns jetzt an der Zeit ist, zu einem waschechten Sportwagenhersteller aufzusteigen.“

Die Nachfrage nach Fahrzeugen dieser Art sei schließlich ungebrochen. Außerdem haben die Aktienkurse ja noch ein bisschen zeit, sich zu erholen: Denn auf den Markt kommt der MP4-12C erst Anfang 2011.