Sparsamer Geländewagen

Der Lexus RX schluckt weniger als ein Kleinwagen

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Luxus und Sparsamkeit passen nicht zusammen? Der neue Lexus RX beweist das Gegenteil. Sein 300-PS-Motor verbraucht gerade mal 6,3 Liter auf 100 Kilometer. Damit hat er weniger Durst als der derzeit beliebteste Kleinstwagen Fiat Panda mit 100 PS. Die Sache hat nur einen Haken: Das Dickschiff kostet viermal so viel.

Luxus und Bescheidenheit schließen sich für gewöhnlich gegenseitig aus. Ähnlich verhält es sich mit Luxus und Sparsamkeit. Doch wenn Ende Mai die zweite Generation des Geländewagens von Lexus an den Start geht, dann als große Ausnahme von der Regel.

Während der Antrieb beim herkömmlich motorisierten RX 350 weitgehend unverändert vom Vorgänger übernommen wurde, tritt der RX 450h nun mit neuer Hybridtechnik an. Mit einer Leistung von 299 PS sprintet die Variante mit der Kombination aus Benzin- und Elektromotor in 7,8 Sekunden auf 100 km/h, schafft 200 km/h Spitze, verbraucht aber nach EU-Norm nur 6,3 Liter Super auf 100 Kilometer und stößt 148 Gramm Kohlendioxid pro Kilometer aus.

Den für einen 2,1-Tonner äußerst niedrigen Verbrauch macht zum einen die optimierte Hybridtechnik möglich, zum anderen sind die Änderungen am Verbrennungsmotor dafür verantwortlich. So arbeitet der 3,5 Liter große V6 genau wie der Motor der Hybrid-S-Klasse von Mercedes im sogenannten Atkinson-Zyklus. Das ist eine besonders sparsame Abstimmung, bei der ein Motor allerdings an Kraft verliert - ein Verlust, der vom Elektromotor wieder ausgeglichen wird.

Unterstützt wird der Lexus-Sechszylinder von gleich zwei unterschiedlich starken Elektromotoren. Der schwächere ist allein für die Hinterachse zuständig, schaltet sie aber nur bei Bedarf zu. Der Drehmomentverlauf der Elektromotoren wurde verbessert, was sich auch auf die Rückgewinnung der Bremsenergie positiv auswirkt. Das Hybrid-Steuergerät ist jetzt kompakter und wiegt statt 30 nur noch 22 Kilogramm. Nicht erleichtern ließ sich die aus drei großen Blöcken bestehende Nickel-Metallhydrid-Batterie. Sie liegt unter der Rücksitzbank, schränkt deren Möglichkeiten zum Längsverschieben und Umklappen aber nicht ein.

Beim Anfahren mit zartem Gasfuß setzt sich der Hybrid-Lexus ausschließlich elektrisch in Bewegung und kann diesen abgasfreien Zustand bis etwa Tempo 40 beibehalten. Nach drei Kilometern geht allerdings der Batterie der Saft aus, und dann schaltet sich kaum merklich der Verbrennungsmotor zu, um sich fortan je nach Anforderung mit dem Elektromotor die Arbeit zu teilen oder sich mit ihm abzuwechseln. Vom Spiel der Kräfte bekommt der Fahrer derweil kaum etwas mit.

Einen Drehzahlmesser, der den Einsatz des V6-Motors signalisieren könnte, gibt es nicht. Lediglich ein Piktogramm im Instrumentenblock gibt über das Spiel der Kräfte Aufschluss. Wenn volle Beschleunigungskraft verlangt wird, Traktionsverlust droht oder die Kurvenstabilität nachlässt, schaltet sich auch der zweite Elektromotor zu und bringt den Hinterradantrieb zum Einsatz.

Dabei läuft der Hybrid-Lexus extrem leise. Im Stand tut sich akustisch sogar überhaupt nichts, denn dann stellt sich der V6, wie es bei Hybridkonzepten üblich ist, automatisch ab. Für das Zusammenspiel von Benzin- und Elektroantrieb ist ein Planetengetriebe zuständig, das den Effekt einer stufenlosen Automatik erzeugt. Schaltrucke fehlen völlig. Als erstes Hybridfahrzeug ist der RX 450h zudem mit einer Steuerung ausgestattet, die Geschwindigkeit, Gaspedalstellung, Bergauf- und Bergabfahrt registriert und dazu die passende Übersetzung wählt. So läuft der Motor immer mit optimaler Drehzahl.

Obwohl mit jetzt 4,77 Metern nur geringfügig länger und auch in der Silhouette ähnlich, hat der neue RX mit seinem Vorgänger kein Blechteil gemein. Er sieht eleganter und windschnittiger aus. Die Armaturentafel wurde völlig neu gestaltet. Ihre geschwungene Mittelkonsole gibt dem Cockpit eine gewisse Leichtigkeit - nichts erinnert mehr an den Kommandostand-Look des Vorgängers.

Da der Radstand lediglich um zwei Zentimeter auf 2,74 Meter gewachsen ist, änderte sich an den Platzverhältnissen im Innenraum wenig. Mit 446 Litern ist der Kofferraum nach wie vor sehr klein, das maximale Ladevolumen mit umgeklappter Rückbank ist jedoch von 1180 Liter auf 1570 Liter gestiegen. Die neu konstruierte Doppelquerlenker-Hinterachse erlaubt einen 15 Zentimeter breiteren Ladeboden. Sie steigert zudem den Federungskomfort und gleicht Wank- und Nickbewegungen besser aus.

Für sattere Straßenlage ist der tiefere Schwerpunkt zusammen mit der besseren Achslastverteilung zuständig. Gegen Aufpreis gibt es auch eine Luftfederung, mit deren Hilfe sich die Karosseriehöhe vierfach variieren lässt. Weitere Extras sind unter anderem ein Head-up-Display, eine automatische Abstandsregelung mit Notbremssystem, aktive Fahrwerksstabilisatoren zur Verringerung der Seitenneigung und eine kameragestützte Einparkhilfe. Der RX 450h kostet ab 59.690 Euro. Das sind 8190 Euro mehr, als für den Vorgänger gezahlt werden musste.

Die Variante mit 3,5-Liter-V6 ohne Hybridtechnik leistet unverändert 277 PS. Sie besitzt einen permanenten mechanischen Allradantrieb, sprintet in 8,0 Sekunden auf 100 km/h, schafft ebenfalls Tempo 200 und verbraucht 10,6 Liter Super auf 100 Kilometer. Der RX 350 wurde 6120 Euro teurer und kostet jetzt 52.370 Euro. Wie die Lexus-Verantwortlichen selbst sagen, wird er nur einen verschwindend geringen Verkaufsanteil haben.

( mid/mv )