Michael Mauer hat eine abwechslungsreiche Karriere hinter sich. Als Designer hat er den Mercedes-Roadster SLK genauso mitentwickelt wie den Smart. Danach ging es für ihn darum, das Überleben der Marke Saab zu sichern und den verschrobenen Modellen aus Schweden einen Hauch Modernität zu verleihen. Aber nun erst scheint Mauer dort angekommen zu sein, wo er in seinen Träumen immer sein wollte: in Stuttgart-Zuffenhausen bei Porsche. Hier stellt er jetzt sein erstes Modell vor, den Panamera.
Dieser Porsche, man kann ihn Mauer-Porsche nennen, ist ein Wagen, der die scharf konturierte Sportwagenmarke mindestens ebenso weit dehnt, wie es der Geländewagen Cayenne getan hat. Der Panamera ist ein Sportwagen für vier Passagiere, die bequem durch vier Pforten zusteigen können. Er ist aber auch Komfortlimousine zum Reisen, und dazu gehört ein großer Kofferraum. Zwischen 432 und 445 Liter, je nach Motorisierung (und Größe der Auspuffanlage) variiert das Volumen. Nicht üppig angesichts von fünf Metern Autolänge, aber der Platz reicht für vier Koffer, einen pro Fahrgast. Ist man zu zweit unterwegs, kann der Panamera schon fast als Transporter genutzt werden. Das Umklappen der Rücksitzlehnen erweitert das Ladevolumen auf 1250 Liter.
Größenangaben für den Gepäckraum, das klingt wenig nach Porsche. Bislang interessierten solche Dinge auch kaum einen Kunden. Und über den Komfort hinter den Vordersitzen musste man sich, außer beim Cayenne, gar nicht erst Gedanken machen. Nur Notsitze hat Porsche bei den Sportwagen der 911er-Serie im Angebot, Boxster und Cayman bieten gar keine Rückbank: Nun ist alles anders. Und Michael Mauer hat seinen Teil dazu beigetragen, von Beginn an.
Vor gut vier Jahren, Ende 2004, startete das Projekt Panamera. "Wir wollten nicht noch eine weitere klassische Limousine auf den Markt bringen. Aber unser Ziel bestand darin, ein sportliches Auto mit vier Sitzen zu bauen, das eine hohe Funktionalität bietet und alltagstauglich ist", sagt Mauer.
Die Gestaltung des Innenraums spielt beim Panamera eine größere Rolle als bei allen anderen Porsche-Modellen. Weil man wusste, dass es sich bei den Wettbewerbsmodellen um etablierte Baureihen handelt, musste der Standard noch weiter nach oben verschoben werden. Wo Porsche ist, ist sowieso immer oben – so jedenfalls sieht es der Chef, Wendelin Wiedeking. "Wir mussten Luxus und Komfort schaffen, aber durften dabei nicht vergessen, dass bei einem Porsche immer der Fahrer im Mittelpunkt steht", sagt Mauer. Herausgekommen ist ein Wagen, der Fahrer und Passagieren die elegant-dynamische Atmosphäre eines Geschäftsflugzeugs vermittelt – was in gewisser Weise zu Technik und Preisgestaltung passt. Ab 94.575 Euro ist der einfachste Panamera mit 400-PS-Motor, Heckantrieb und Sechsgang-Schaltgetriebe zu haben.
Wer hinten Platz nimmt, erfährt überraschend viel Beinfreiheit. Selbst Passagiere über 1,80 Meter können gut eine längere Zeit unterwegs sein. Dass sich der Wagen zum Heck hin verjüngt, ist kein Problem: Porsche verzichtete auf einen dritten Platz in der zweiten Reihe. Mauer wollte, dass potenzielle Kunden sich vom auffälligen Exterieur angezogen fühlen und ihre Kaufentscheidung treffen, wenn sie einmal im Panamera gesessen haben. „Vor fünf Jahren haben die Kunden gekauft, weil ihnen die Autos von außen gefielen. Wenn ihnen heute der Innenraum nicht gefällt, gehen sie wieder.“
Besonders zufrieden ist Mauer mit der nach hinten ansteigenden Mittelkonsole. Sie verleihe dem Panamera innen einen eigenständigen Charakter. Die klassischen Werte auch dieses Porsche-Modells verbergen sich aber unter dem Blech. Meistgekauftes Model dürfte der Panamera 4S mit 400 PS werden, der mit dem Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe und Allradantrieb für 102.251 Euro angeboten wird. Mit einem Verbrauch von 11,1 Litern nach EU-Norm ist er die sparsamste der drei von Porsche angebotenen Versionen. Alle drei Modelle wiegen weniger als 2000 Kilo – in dieser Klasse ist das nicht übermäßig schwer, und der relative Leichtbau drosselt genauso den Verbrauch wie das Start-Stopp-System, das Porsche in Verbindung mit dem Doppelkupplungsgetriebe anbietet. Dabei schaltet der Motor im Stillstand ab, wenn die Fußbremse betätigt wird. Beim Lösen des Pedals springt der Motor automatisch wieder an.
Neben den modernen hochdrehenden Motoren mit Benzin-Direkteinspritzung gehört – gegen Aufpreis – eine neuentwickelte, adaptive Luftfederung zur Topausstattung der Modelle. In drei Stufen kann dabei die Fahrwerks-Charakteristik verändert werden, im Sport-Plus-Modus lässt sich die Karosserie sogar absenken. Die Porsche Dynamic Chassis Control, ebenfalls als Option, kompensiert in Kurven die Seitenneigung des Panamera.
Erst durch diese technischen Details ergibt die Innenausstattung einen Sinn. Sie macht das Auto zu dem, was es im Wettbewerb zu anderen viertürigen Coupés wie dem noch nicht fertiggestellten Aston Martin Rapide sein soll: das obere Ende der Möglichkeiten. Chef-Designer Mauer ist nicht unglücklich über seinen Wechsel zu Porsche.





















