Genauer gesagt: am SL 65 AMG "Black Series" - einer Sonderedition des Roadsters, die an Schärfe und Nachdruck kaum mehr zu überbieten ist und sogar den SLR aussehen lässt wie ein Auto von der Spielzeugrennbahn. Ab November soll die Rakete auf vier Rädern die Superreichen in Verzückung versetzen und die linke Spur erobern. Dass Klimaschützer angesichts dieses Tieffliegers am liebsten Amok laufen würden, ficht weder Mercedes noch die weltweite CO2-Statistik ernsthaft an. Denn bei einer allenfalls dreistelligen Produktionsziffer und einem Schätzpreis von etwa 300.000 Euro wird sich der Beitrag an der Erderwärmung in engen Grenzen halten.
Basis für das heißeste Eisen von AMG ist der ohnehin schon imposante SL 65 AMG, der völlig neu eingekleidet wurde. Als käme er direkt aus dem Krafttraining trägt er nun mehr Muskeln als jedes andere Auto mit Stern: Die neue Frontschürze ist weiter geöffnet, auf der Motorhaube prangen zwei Kühlöffnungen wie die Nüstern eines Drachen und die Kotflügel wurden um jeweils 14 Zentimeter verbreitert, um Platz für die gewaltigen 20-Zoll-Räder zu schaffen.
Vorn läuft der SL immerhin auf 265er- und hinten gar auf 320er Walzen. Dazu gibt es Seitenschweller, die anderen als Trittbretter dienen würden, Kiemen hinter den Vorderrädern, in denen sich kleine Kinder bei Regen unterstellen könnten, und einen Heckflügel, der getrost auch zum Bügelbrett taugen würde. Außerdem reckt der dunkle Tiefflieger aller Welt einen Diffusor entgegen, der auch als Schacht zur Hölle durchgehen würde.
Das entscheidende Merkmal allerdings ist das völlig neue Verdeck: Statt des versenkbaren Hardtops trägt die „Black Series“ eine fest montierte Carbon-Haube, in die zudem ein Überrollbügel eingearbeitet wurde. Weil nicht nur die Dachmechanik wegfällt, sondern zudem auch viele andere Bauteile aus Karbon gebacken werden, verliert der schwere SL deutlich an Gewicht. Immerhin sparen die Ingenieure rund 250 Kilo und drücken den Zweisitzer auf 1,9 Tonnen.
Schon das alleine würde spürbar bessere Fahrleistungen nach sich ziehen. Doch mit dem Fastenprogramm ist es nicht getan. Wer so viel Geld auf den Tisch legt, der wird zudem auch mit mehr Kraft verwöhnt. Obwohl der V12 ja nicht gerade schwachbrüstig ist, bestücken die AMG-Trainer den Sechsliter deshalb mit zwei neuen Turboladen und steigern so die Leistung von 612 auf 670 PS.
Auch das maximale Drehmoment würde theoretisch noch weiter klettern, wenn die Fünfgang-Automatik mehr mitmachen würde. Weil das die Schwachstelle des Antriebs ist, bleibt es jedoch aber bei 1000 Newtonmetern. Aber auch das ist ja schon mehr, als man in beinahe jedem anderem Auto der Republik bekommt. Entsprechend beherzt geht der Renner mit der dunklen Seele zur Sache: 0 auf 100 schafft er in 3,9 Sekunden, 200 km/h sind in 11,0 Sekunden erreicht. Und dass bei 320 km/h die Elektronik den Bremsfallschirm wirft, wird keinen Ernsthaft stören – ein bisschen Respekt gebührt dem SLR schließlich doch. Was der SL 65 AMG Black Series verbraucht, ist momentan noch nicht zu erfahren. Auch wenn es die Kundschaft wahrscheinlich nicht interessiert: Der "normale" SL 65 AMG ist mit 15,1 Litern angegeben, was den in der EU avisierten CO2-Flottengrenzwert von 120 g/km "geringfügig" übertrifft - es fallen nämlich satte 362 g/km an. Bei artgerechter Behandlung dürfte es zudem kaum möglich sein, das Auto unter 20 Liter zu drücken.
Nur mit der scharfen Karosserie und dem stärkeren Motor ist es allerdings nicht getan. Sondern natürlich gibt es auch ein strammer abgestimmtes Gewindefahrwerk, eine Bremsanlage, die auch für Rennstrecken taugt, und ein völlig umgestaltetes Interieur mit harten Rennsitzen, einem kleineren Lenkrad und viel Karbon. Doch der Blick in die schwarze Höhle für Fahrer und Beifahrer zeugt davon, dass auch ein AMG natürlich immer ein Mercedes ist und man da um einen Hauch von Komfort nicht herumkommt. Gewichtsersparnis hin, Rennwagen her – ohne feines Leder geht es nun mal nicht.














