Kommentar

Alkohol und die gefährliche Lockerheit im Umgang mit Corona

Kneipen, die Coronaregeln missachten, müssen sanktioniert werden, schreibt Gilbert Schomaker. Notfalls mit partiellem Alkoholverbot.

Wo Alkohol getrunken wird, geraten Corona-Abstandsregeln zu schnell in Vergessenheit, meint Gilbert Schomaker

Wo Alkohol getrunken wird, geraten Corona-Abstandsregeln zu schnell in Vergessenheit, meint Gilbert Schomaker

Foto: Angelika Warmuth/dpa; Reto Klar

Berlins Kultursenator Klaus Lederer (Linke) griff gleich zur Waffe, zumindest verbal. Ein Alkoholverbot in Berlin, um die Ausbreitung von Corona zu stoppen? Das sei eine „Räuberpistole“. Seine Kritik zielte auf Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci – vom Koalitionspartner SPD. Sie hatte in der Berliner Morgenpost eine Diskussion über zu viel Alkohol und zu wenig Abstand angestoßen.

Trotz der Kritik, die es auch von Seiten des Gaststättenverbands Dehoga gab, blieb Kalayci bei ihrer Meinung. Sie präzisierte nur ihren Vorschlag, zog zum Vergleich die erfolgreichen Strategien anderer Städte heran, die den Ausschank zu bestimmten Zeiten nur noch in Gaststätten erlauben. Bier to go ist dann tabu. Ist Kalaycis Vorstoß nur heiße Luft im heißen Hochsommer? Nein. Die Senatorin macht auf ein Problem aufmerksam.

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Corona in Berlin: Besorgniserregende Situation in den Partygegenden

Die Situation in den Partygegenden Berlins ist besorgniserregend. Abstands- und Hygieneregeln, das ordnungsgemäße Ausfüllen von Adresslisten in den Kneipen und Bars funktioniert fast nicht mehr. Dabei kann man es nur wiederholen: Corona ist weiterhin gefährlich, für manche Menschen tödlich. Die wirtschaftliche Erholung wäre durch einen erneuten massiven Ausbruch ernsthaft in Gefahr. Was also tun? Die Kneipen müssen engmaschiger durch Ordnungsämter und Polizei kontrolliert werden. Schnelle Strafen bis hin zu partiellem Alkoholverkaufsverbot oder gar Schließung könnten bewirken, dass sich andere Wirte an die Auflagen halten.

Aber hier tritt wieder ein Problem zutage, das man in Berlin leidlich kennt: Die Gesundheitssenatorin ist für die Kontrolle der Gesundheitsauflagen nicht zuständig. Das machen die Wirtschaftssenatorin und die Bezirke. Wenn der Innensenator jetzt mehr Kontrollkräfte in Aussicht stellt, kann man nur hoffen, dass das Vorhaben nicht wieder im Gestrüpp der Behörden verfängt.