Kommentar

Berlin soll sich Singapur zum Vorbild nehmen

Gefahrlos die Straße zu überqueren, ist nicht so einfach. Ampeln schlagen schnell auf Rot um. Singapur hat sich was einfallen lassen.

Thomas Fülling

Thomas Fülling

Foto: Sergej Glanze / Glanze/Berliner Morgenpost

In Singapur können ältere Menschen mit Hilfe ihrer Seniorenkarte die Grünphasen an Fußgängerampeln so verlängern, dass sie gefahrlos die Straße überqueren können. Für das Programm „Green Man Plus” (Grünes Männchen Plus) haben die Behörden des südostasiatischen Stadtstaates mehr als 1000 Ampeln mit einer Sonderschaltung ausstatten lassen. Und zwar innerhalb von nur fünf Jahren.

Auch in Berlin ist es vielerorts kaum möglich, die Straße sicher und bequem zu überqueren. Kaum ist man etwa am Kurfürstendamm in Höhe Uhlandstraße losgelaufen, springt das Ampellicht für Fußgänger schon wieder auf Rot und die Motoren der Sportwagen heulen auf. In der Grünphase schaffen es die Allermeisten völlig unabhängig vom Alter gerade mal bis zum U-Bahn-Eingang auf dem Mittelstreifen.

Verkehrssenatorin Regine Günther (Grüne) hat nun angekündigt, das seit vielen Jahren bekannte Problem endlich lösen zu wollen. Im neuen Mobilitätsgesetz gibt es dazu jetzt extra ein Kapitel zum Fußverkehr.

Darin verankert sind die Absenkung von Gehwegkanten, eine bessere Beleuchtung der Übergänge und eben auch längere Grünphasen für das Überqueren der Straßen. Der Fußgänger-Lobbyverband Fuss e.V. warnt indes vor allzu euphorischen Erwartungen. Bereits die Regelungen zum Ausbau des Radverkehrs hätten gezeigt, dass die Paragrafen das eine, die konkrete Veränderungen das andere sind.

Für die Optimierung der Ampelschaltungen in Berlin veranschlagt Senatorin Günther rund zehn Jahre. Doch selbst bei dieser großzügigen Zeitvorgabe ist Skepsis angebracht. Ist es dem Senat doch bis heute nicht gelungen, die zur Fußball-WM 2006 außer Kraft gesetzten Vorrangschaltungen für Busse und Trams im Nahverkehr der Stadt wieder vollständig zu reaktiveren. Von einem Programm wie in Singapur wagen die Berliner da nicht einmal zu träumen.