Kommentar

Wieso hat der Senat Berlin um die Rosinenbomber gebracht?

Der Senat hat die Berliner um die Rosinenbomber-Landung gebracht. Das ist völlig unwürdig, meint Sebastian Geisler.

So hätten die Berliner sich die "Rosinenbomber" anschauen sollen, zum Beispiel auf dem Tempelhofer Feld oder in Tegel. Aber dieses Fest zum Luftbrücken-Jubiläum findet in Wiesbaden statt - und zieht dort zahlreiche Besucher an.

So hätten die Berliner sich die "Rosinenbomber" anschauen sollen, zum Beispiel auf dem Tempelhofer Feld oder in Tegel. Aber dieses Fest zum Luftbrücken-Jubiläum findet in Wiesbaden statt - und zieht dort zahlreiche Besucher an.

Foto: dpa/Arne Dedert; Maurizio Gambarini (Montage)

Was für ein Spektakel: Familien erwarten die Ankunft der silbernen Douglas-Flugzeuge, Kinder bekommen leuchtende Augen, Eltern erklären, Großeltern erinnern sich. An schöne, an schwere Tage. Bilder eines solchen Ereignisses - noch einmal landende Rosinenbomber in Berlin - wären um die Welt gegangen. Dass es diese Bilder nicht gibt, ist schade. Ich verstehe nicht, wieso der rot-rot-grüne Senat die Berliner mit Ausreden um die Rosinenbomber-Landung bringt, und sich mit einem „Luftbrücken-Fest“ im Mai begnügt hat.

Und so schauen die Völker der Welt statt auf Berlin in diesen Tagen auf Wiesbaden-Erbenheim, Jagel oder Faßberg. Dort, in der Provinz, werden die Rosinenbomber bestaunt und ihre Piloten gewürdigt. Für ihren Einsatz, für ihren Mut und für eine logistische Meisterleistung, die das Überleben West-Berlins und seiner Menschen sicherte.

Die Berliner durften dieses Engagement, kurz nach der Nazi-Herrschaft, nicht erwarten

2,1 Millionen Tonnen Fracht, Kohle gegen die Winterkälte, Milchpulver und Kartoffeln gegen den Hunger, und die Süßigkeiten, die vom Himmel fielen. Welch eine tief und aufrichtig empfundene Dankbarkeit in der Bevölkerung für diesen Einsatz während der Berlin-Blockade. Dutzende Amerikaner und Briten ließen bei Unfällen ihr Leben, für die Freiheit West-Berlins. Die Berliner durften dieses Engagement, drei Jahre nach Ende der deutschen Nazi-Herrschaft, ganz sicher nicht erwarten.

Doch statt die Rosinenbomber nun begeistert in der Stadt zu empfangen, blieb bis zuletzt sogar unsicher, ob zumindest ein Überflug überhaupt stattfinden kann. Dabei wäre es die historische, politische und moralische Aufgabe der Berliner Regierung gewesen, allen voran der Regierende Bürgermeister Michael Müller (SPD), der immer wieder die Freundschaft mit den USA betont, die Landung der Rosinenbomber möglich zu machen. Sei es in Tempelhof oder Tegel.

Die Schilderung einer Zeitzeugin rührt zu Tränen

In einer ZDF-Dokumentation schilderte eine Berlinerin, wie sie als Mädchen eifrig nach oben blickte. In ihrer Vorstellung, sagte sie, sei es ihr Vater gewesen, der den kleinen Fallschirm mit der Schokolade aus dem Himmel herabgeworfen hatte, den sie auffing. In Wirklichkeit war er „im Krieg geblieben“. Sie brach beim Erzählen in Tränen aus, als alte Frau, Jahrzehnte später. Ich weinte, aber sagen Sie’s nicht weiter, vorm Fernseher mit. Es ist zum Heulen.

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