Fest der Luftbrücke

So feiert Berlin das Ende der Blockade vor 70 Jahren

Das historische Ende der Berlin-Blockade vor 70 Jahren wird am Sonntag auf dem Tempelhofer Feld gefeiert. Das Programm im Überblick.

So beeindruckend ist der ehemalige Flughafen Tempelhof

Er ist das größte Baudenkmal Europas: Das Gebäude des ehemaligen Flughafen Tempelhofs ist 300.000 Quadratmeter groß.

So beeindruckend ist der ehemalige Flughafen Tempelhof (Archiv-Video).

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Am 12. Mai 1949, der Zweite Weltkrieg war gerade mal vier Jahre vorbei, hatte die Berliner Bevölkerung ihre nächste Prüfung überstanden: Die drei westlichen Sektoren wurden wieder mit Strom versorgt und die von der sowjetischen Besatzungsmacht verhängte totale Blockade der Verkehrswege zu Land und Wasser wurde aufgehoben. Ein Tag der Freude in einer schwierigen Zeit.

Fast ein Jahr lang war der Westteil der Stadt abgeschnitten, versorgten Amerikaner, Briten und Franzosen, die allerdings wegen des Indochinakrieges nur wenige Kapazitäten hatten, über drei Luftkorridore zwischen den westlichen Besatzungszonen und Berlin die Bevölkerung im Westteil der Stadt mit überlebenswichtigen Gütern.

Legendäre Rede von Ernst Reuter

Der 70. Jahrestag dieses Ereignisses wird an diesem Sonntag unter dem Motto „Menschlichkeit verbindet“ gefeiert. Und zwar auf einem der zentralen Orte der Luftbrücke, dem mittlerweile ehemaligen Flughafen Tempelhof. Über 50.000 Besucher werden zu dem Fest erwartet.

Die Eröffnungsrede will der Regierende Bürgermeister Michael Müller (SPD) halten. Möglicherweise wird er auch an die legendären Worte eines seiner Amtsvorgänger erinnern. Es war Ernst Reuter (SPD), der zum Symbol des (West-) Berliner Durchhaltewillens geworden war und der am 9. September 1948 vor der Ruine des Reichstagsgebäudes die längst legendären Worte sprach: „Heute ist der Tag, wo das Volk von Berlin seine Stimme erhebt. Dieses Volk von Berlin ruft heute die ganze Welt. […] Ihr Völker der Welt, ihr Völker in Amerika, in England, in Frankreich, in Italien! Schaut auf diese Stadt und erkennt, dass ihr diese Stadt und dieses Volk nicht preisgeben dürft, nicht preisgeben könnt!“

„Wir haben versucht, den Gedanken der Luftbrücke ins Heute zu übersetzen“, erklärt Kristian Müller, ein Sprecher der veranstaltenden Tempelhof Projekt GmbH, die Idee der aktuellen Feier. Die Besucher kommen am Eingang durch ein „Tor der Luftbrücke“, eine Adaption der Luftbrückendenkmäler, die in Frankfurt/Main, Celle und natürlich auf dem Platz der Luftbrücke in Berlin stehen, über das Tempelhofer Feld zum Fest. Dann geht es über eine „Allee der Alliierten“, wo sich die Besucher Zeitzeugen-Porträts der an der Luftbrücke beteiligten Alliierten ansehen können sowie stilisierte „Rosinenbomber“, wie die Hilfsflugzeuge von den Berlinern getauft wurden, samt exemplarischer Ladung. Auf einer „Aktionsfläche Humanitäre Hilfe heute“ zeigen zahlreiche Institutionen, darunter das Deutsche Rote Kreuz, das Technische Hilfswerk, der Arbeiter-Samariter-Bund und der Hohe Kommissar der Vereinten Nationen für Flüchtlinge, mit einer Ausstellung, wie humanitäre Hilfe damals aussah und auch heute immer noch funktionieren kann.

Für das Jubiläumsfest öffnet der Flughafen Tempelhof zwei seiner Hangars, um Geschichte lebendig zu vermitteln. In Hangar 4 findet eine speziell für das Luftbrückenfest erstellte Sound- und Videoinstallation von Phil Max Scholl und Christoph Kozik statt. Mit überarbeitetem Archivmaterial über den Einsatz der westlichen Alliierten und den Durchhaltewillen der Bevölkerung soll hier ein Panorama der Zeitgeschichte entstehen.

Eine amerikanische Note im Musikprogramm

Um die Luftbrücke sowie die Berliner Lebenswirklichkeit nacherleben zu können, visualisieren in Hangar 5 Original-Exponate, zeittypische Dekors und mediale Installationen die Logistik und Planung der Luftbrücke, den Alltag der Berliner unter der Blockade sowie den humanitären Einsatz der West-Alliierten. Außerdem wird es eine Fotoausstellung von Matthias Heisig geben. Laut Veranstalter werden noch nie gezeigte Aufnahmen von der Berlin-Blockade vorgestellt. Darüber hinaus erzählen auf einer Bühne Zeitzeugen und Historiker von der turbulenten Zeit und dem Leben während der Abschottung.

Neben dem Bundespolizeiorchester Berlin und dem Stabsmusikkorps der Bundeswehr gibt es auch eine amerikanische Note in dem musikalischen Programm mit Live-Bands. So treten auch The United States Air Forces in Europe Band – The Jazz Ambassadors und die Opernsängerin Susan Wheeler Martosko auf. Weil das Fest der Luftbrücke eines für die ganze Familie sein soll, gibt es eine Aktionsfläche für Kinder mit Fahrgeschäften sowie Bastel- und Gestaltungsworkshops und historischen Spielen aus der damaligen Zeit sollen zum Erleben der Berliner Geschichte einladen.

Sonntag, 12 bis 19 Uhr, Gelände des früheren Flughafen Tempelhof. Zugang nur über das Tempelhofer Feld. Der Eintritt ist frei.