Kommentar

Jüdisches Leben kehrt nach Berlin zurück

Wenn sich Menschen jüdischen Glaubens in Berlin niederlassen, dann spricht das für unsere Stadt.

Foto: pa/Montage BM

Berlin. Dass Menschen jüdischen Glaubens wieder nach Deutschland ziehen, ist ein echtes Kompliment für unsere Gesellschaft. Wenn sie sich in Berlin niederlassen, wie es viele Juden aus Israel, den USA oder anderen Ländern auch in den hippen Bezirken wie Kreuzberg oder Neukölln tun, dann spricht das für unsere Stadt. Auch wenn es antisemitische Angriffe gibt und es immer noch nicht ratsam erscheint, mit Kippa über die Sonnenallee zu laufen.

Das neue, bunte und durchaus religiös geprägte jüdische Leben lässt sich besonders gut an der Synagoge am Kreuzberger Fraenkelufer besichtigen. Junge Familien strömen zu den Gebeten in den kleinen, original erhaltenen Raum, der ursprünglich nur als Jugendbeetsaal der sehr viel größeren Synagoge nebenan diente.

Wenn es diese Renaissance der Gemeinde nicht gäbe, dann hätte auch die Initiative für den Wiederaufbau des Hauptgebäudes keine Chance. Es geht hier nicht um eine leere Hülle, sondern um ein Haus, das tatsächlich mit jüdischem Leben und dem Dialog der Religionen gefüllt werden kann. Wo, wenn nicht im von vielen Muslimen und Atheisten bewohnten Kreuzköllner Kiez sollten Stadt und Gesellschaft also ein solches Zeichen setzen?

SPD-Fraktionschef Raed Saleh, selber muslimischen Glaubens, aber lange als Unterstützer der Fraenkelufergemeinde und anderer jüdischer Projekte bekannt, hat als Initiator des Wiederaufbaus eine illustre Gruppe von Unterstützern für sein Kuratorium zusammen gebracht. Die neue, alte Synagoge wird kommen, und das ist gut so. Denn es stimmt: Wer im Krieg zerstörte Schlösser und Kirchen wieder aufbaut – wie in Berlin, Dresden oder Potsdam –, der sollte auch Synagogen wieder zum Leben erwecken. Für Berlins Ansehen als tolerante, weltoffene Metropole ist ein solches Projekt Gold wert.

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