Kommentar

Die Museumsinsel ist kein Parkplatz

Die Reisebusse parken vor Sehenswürdigkeiten, um Touristen direkt vor die Tür zu bringen. Das darf nicht sein, meint Thomas Fülling.

Kaum eine andere europäische Großstadt geht mit ihren Sehenswürdigkeiten und Kulturgütern so schlecht um wie Berlin, meint Thomas Fülling.

Kaum eine andere europäische Großstadt geht mit ihren Sehenswürdigkeiten und Kulturgütern so schlecht um wie Berlin, meint Thomas Fülling.

Foto: Reto Klar

Berlin. Wer in Berlin die Museumsinsel besucht, hat oft Mühe, den Berliner Dom, die Alte Nationalgalerie oder das Pergamonmuseum ungestört genießen zu können. In dichter Folge fahren dort Reisebusse vor, um Touristen direkt bis vor die Tür zu bringen. Und damit diese nach dem Museumsbesuch nicht so weit laufen müssen, bleiben die Fahrer mit ihren Bussen gleich dort stehen. Im Winter gern auch mit laufenden Motoren, damit sie nicht frieren müssen.

Der Verein Changing Cities will nun Schluss machen mit den Dieselschwaden gleich am Museumseingang und fordert, alle Reisebusse aus dem historischen Stadtkern von Berlin zu verbannen. Lediglich an sieben Kurzzeit-Haltestellen sollen Touristen ein- und aussteigen können, die Busse selbst müssen dann weiter entfernt abgestellt werden.

Die Forderung klingt radikal, geht aber in die richtige Richtung. Kaum eine andere europäische Großstadt geht mit ihren Sehenswürdigkeiten und Kulturgütern so schlecht um wie Berlin. In Paris etwa ist es für die Besucher ganz selbstverständlich, einige Schritte bis zum Louvre zu laufen. Auch in Prag herrscht für das Burgviertel Busverbot. Die meisten Reisenden wollen die Sehenswürdigkeiten der besuchten Stadt schlendernd und halbwegs authentisch erleben. Reisebusse stören dabei, gefährden die Sicherheit der Fußgänger und belasten mit ihren Abgasen die Luft.

Der Berliner Senat wollte das Problem übrigens schon vor gut zehn Jahren angehen. Doch das damals vorgestellte Reisebus-Konzept blieb wie so vieles andere liegen. Verkehrssenatorin Regine Günther (parteilos, für Grüne) täte gut daran, sich die neuen Vorschläge von Changing Cities und anderen in Ruhe anzuhören, statt jetzt die alten Konzepten ihrer Verwaltung gegen den Widerstand der Anrainer wie dem Dom, den Museen oder dem Humboldt Forum einfach durchzudrücken.

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