Kommentar

Checkpoint Charlie: Auf dem Trockenen

Der Senat änderte die Vorgaben für Bebauung. Am Checkpoint Charlie beginnen die Planungen nun von vorn.

Isabell Jürgens

Isabell Jürgens

Foto: Reto Klar

Berlin. Seit 29 Jahren ist der Checkpoint Charlie, einst alliierter Kontrollpunkt mitten in Berlin, ein touristischer Rummelplatz der allerpeinlichsten Sorte. Und daran wird sich, das hat der Senat an diesem Dienstag klargestellt, so schnell auch nichts ändern. Dabei sah es im Sommer noch danach aus, als bewege sich wirklich etwas. Der Senat und der private Investor Trockland hatten sich auf die Eckpunkte einer künftigen Bebauung geeinigt. Doch wie alle Vorgänger-Senate agierte auch der rot-rot-grüne in Sachen Checkpoint Charlie unglücklich. Der Öffentlichkeit präsentierte man sieben Testentwürfe für die Gestaltung der Kreuzung Friedrichstraße Ecke Zimmerstraße, aus denen „Empfehlungen“ für einen Architekturwettbewerb entwickelt werden sollten.

Doch das Konzept überzeugte nicht und warf Fragen auf: Warum eigentlich sollte Berlin für die Nutzung der Fläche eine hohe Miete zahlen, war ursprünglich nicht eine kostenlose Überlassung vorgesehen? Und warum wurden die Denkmalschützer nicht vorher gehört? Misstrauen weckte, dass die verabredeten Eckpunkte geheim blieben und auch nicht klar wurde, wessen Geld in dem undurchsichtigen Firmengeflecht steckte. Die immer lauter werdende Kritik scheuchte den Senat schließlich auf. Nun also soll ein Bebauungsplan her, der den mit Trockland ausgehandelten Deal in weiten Teilen aushebelt.

Der Investor ließ am Dienstag noch offen, ob er sich vom Projekt verabschiedet und der Insolvenzverwalter des Grundstücks einen neuen Investor suchen muss, der bereit ist, zu den geänderten Konditionen zu bauen. Und der Senat? Der muss sich fragen lassen, warum er nicht gleich klar definiert hat, was er dort wünscht. Dann wäre Berlin nicht nur eine peinliche Planungsposse erspart geblieben, sondern auch viele weitere Jahre mit Soldatendarstellern und Straßenhändlern, die Russenmützen, DDR-Orden und Gasmasken am Checkpoint Charlie verkaufen.

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