Kommentar

Berlin verschmilzt immer stärker mit dem Umland

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Jens Anker
Jens Anker

Jens Anker

Foto: J. MAYER H. und Partner, Architekten/Reto Klar

In der hippen Mitte von Berlin herrscht Platznot. Aus dieser Situation ist Potsdam jetzt ein Coup gelungen, sagt Jens Anker.

Berlin. Die Entwicklung verläuft zwangsläufig: Nach dem Berlin-Hype der vergangenen 15 Jahre ist es ganz schön eng geworden in der hippen Mitte. Die Mieten- und Immobilienpreise kannten nur einen Weg, den nach oben. Für junge Unternehmer, die in den vergangenen Jahren Berlin wegen der preisgünstigen Lebensverhältnisse liebten, ist es jetzt immer schwerer, einen Platz für sich zu finden.

In dieser Situation ist Potsdam im Südwesten der Hauptstadt ein Coup gelungen: Die jahrelang leer stehende RAW-Halle am Hauptbahnhof wird zum IT-Gründerzentrum, dem aktuell zweitgrößten Europas. Hier sollen schon bald bis zu 1000 Menschen aus der Gründer- und IT-Szene nicht nur Arbeit finden, sondern ein Rundum-sorglos-Paket mit Beratung, Finanzierung und Zugang zu wissenschaftlichen Einrichtungen. Einen satten zweistelligen Millionenbetrag sagen die Investoren für den Um- und Ausbau des RAW-Geländes zu, die Stadt will noch in diesem Jahr den Weg für das Baurecht ebnen.

Das ehrgeizige Projekt zeigt auch, dass das Verschmelzen Berlins mit dem Umland in eine neue Phase tritt. Von außen betrachtet handelt es sich längst um einen einzigen Lebens- und Wirtschaftsraum, und für Investoren ist das Umland nicht Provinz, sondern Teil der Metropole. Potsdam hat dabei das Zeug, zu einem „hidden champion“ – einem heimlichen Sieger – zu werden. In den vergangenen Jahren ist bereits der Wissenschaftspark Golm zu einem Zentrum der Naturwissenschaften avanciert – mit drei Max-Planck- und zwei Fraunhofer-Instituten, an denen insgesamt 3000 Forscher lehren und forschen.

Einen ganz ähnlichen Weg könnte nun die Gründerszene einschlagen. Potsdam bietet nicht nur das nötige Umfeld, sondern auch den freien Platz, der in Berlin fehlt, um neue Ideen auszuprobieren. Berlin sollte das nicht als Konkurrenz begreifen, sondern als Chance für die gemeinsame Entwicklung der Region.

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