Die gute Nachricht zuerst: Es ist besser geworden in Berlins Bürgerämtern. Wer ein bisschen Glück hat und örtlich ein wenig flexibel ist, bekommt am nächsten Tag einen Termin. Als Geheimtipp gilt ein morgendlicher Anruf bei der zentralen Servicenummer 115. Nach dem Zusammenbruch der Bürgerdienstleistungen während der Vorreisezeit haben Bezirke und Senat gemeinsam mit verbesserter Organisation und mehr Personal die akute Krise entschärft. Es geht also auch in Berlins Verwaltung voran, wenn der Druck nur groß genug wird.

Ein normal funktionierendes Bürgeramt macht aber noch lange keine leistungsfähige Verwaltung aus. Der Wirtschaftsclub VBKI stellt einen „Notstand in Berlin“ fest und schlägt vor, Aufgaben an externe Experten zu übertragen, weil die Behörden niemals die nötigen 10.000 Neueinstellungen jedes Jahr schaffen würden. Diese sind nötig, um den Abgang älterer Kollegen und den Aufgabenzuwachs wegen der steigenden Bevölkerungszahlen zu bewältigen.

Tatsächlich hat die Debatte um die Modernisierung der Berliner Verwaltung eine neue Qualität gewonnen. Empfehlungen von allerlei Arbeitsgruppen gab es schon viele, umgesetzt wurde wenig. Jetzt hat sich der Regierende Bürgermeister Michael Müller verpflichtet, moderne Steuerungsinstrumente, Servicegedanken und Leistungskriterien tatsächlich einzuführen. Dazu gehört, dass die für die Bürgerdienste zuständigen Bezirke endlich vernünftig und verantwortlich regiert und nicht mehr von einem Proporz-Gremium ohne echte Opposition verwaltet werden. Die Zeit ist jetzt, denn wer zur nächsten Legislaturperiode neue Strukturen einführen will, muss darüber zeitnah Entscheidungen treffen. Damit es nicht so aussieht, als ginge es nur um politischen Einfluss. Es geht um Berlins Zukunft. Die sieht ohne leistungsfähige Behörden mau aus.

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Frust über Behördenchaos in Berlin

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