Kommentar

Berlin muss bei Bauvorhaben ehrlich zu den Menschen sein

In Blankenburg soll nun doppelt so viele Wohnungen gebaut werden. Diese Kommunikation schafft unnötig Widerstand, meint Joachim Fahrun.

Das Bebauungsgebiet Blankenburger Süden

Das Bebauungsgebiet Blankenburger Süden

Foto: Reto Klar

Berlin. Äcker haben in Berlin kaum noch eine Zukunft. Auf fast alle dieser Freiflächen haben Senatsplaner ein Auge geworfen. Die Stadt wächst, und wer die positive Entwicklung nicht abwürgen und die Menschen ungebremst steigenden Mieten aussetzen will, muss „bauen, bauen, bauen“, wie es etwa der Regierende Bürgermeister Michael Müller nicht müde wird anzumahnen.

Wie groß die theoretischen Potenziale in den Außenbereichen sind, zeigt die Diskussion über den Blankenburger Süden. Wenn die Planer erst mal ernsthaft suchen, finden sie auch Platz für noch mehr Wohnungen. 5000 bis 6000 sollen auf das ehemalige Rieselfeld passen. Und fast noch einmal so viele könnten entstehen, wenn Einfamilienhaussiedlungen verdichtet, Gewerbe verlegt und ein Golfplatz bebaut würde.

Dass sich Politiker der selbst ernannten Neubau-Partei SPD an die Spitze der Kritiker stellen, ist eine neue Volte im latenten Koalitionsstreit zwischen SPD und Linke. Die Debatte zeigt aber auch, wie kompliziert das Bauen eben auch auf der grünen Wiese ist. Schon jetzt erstickt Berlins Nordosten im Verkehr. Ehe also an Wohnungsbau zu denken ist, muss man klären, wie 30.000 zusätzliche Einwohner dort hin- und wieder wegkommen sollen. Die ersten Kämpfe mit den Bürgern werden um die Trassen für Tram und Straßen geführt, gar nicht über das Bauvorhaben an sich.

Positiv erscheint, dass es kaum Fundamentalopposition gegen das Neubaugebiet gibt. Die meisten Menschen verstehen, dass die Stadt auch in ihrer Region wachsen muss. Umso wichtiger ist eine saubere Kommunikation. Wenn sich nach monatelanger Diskussion plötzlich die Zahl der möglichen neuen Wohnungen verdoppelt, wächst bei den Bürgern der Argwohn, von der Verwaltung über den Tisch gezogen zu werden. Ein solches Klima kann den Wohnungsbau wirklich bremsen. Das wäre schlecht für alle, die heute und in Zukunft eine Wohnung suchen.

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