Kommentar

Kurzfristige Polizeikontrollen im Tiergarten bringen nichts

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Isabell Jürgens
Obdachlose aus Berlin und Osteuropa streiten im Tiergarten um die Reviere

Obdachlose aus Berlin und Osteuropa streiten im Tiergarten um die Reviere

Foto: Reto Klar

Wenn sich im Tiergarten dauerhaft etwas ändern soll, wird Innensenator Geisel einen langen Atem beweisen müssen, meint Isabell Jürgens.

Jetzt also eine Taskforce Großer Tiergarten und verstärkte Polizeikontrollen. Ob das tatsächlich ausreicht, um die Zustände in Berlins grünem Herzen wieder in den Griff zu bekommen, werden die Berliner mit Gewissheit erst im Frühjahr kommenden Jahres sehen können. Dann nämlich, wenn es im Park nach der zu erwartenden Entspannung über die Wintermonate – ab dem 1. November sind die Angebote der Kältehilfe für alle offen – wieder milder wird.

Der Tiergarten war schon immer Fluchtpunkt für Obdachlose in der Hauptstadt. Doch seit ein paar Jahren sind es immer mehr geworden, die zudem zunehmend aggressiv auf „Störungen“ reagieren. Und als Störer gilt jeder, der ihren Lagern zu nahe kommt – neben ahnungslosen Spaziergängern sind das berufsbedingt vor allem die Mitarbeiter des Grünflächenamtes.

Wenn sich an der Situation im Tiergarten dauerhaft etwas ändern soll, wird Innensenator Andreas Geisel (SPD) einen langen Atem beweisen müssen. Dann dürfen die verstärkten Streifen nicht nur medienwirksamer Aktionismus sein, sondern müssen auch dann noch aufrechterhalten werden, wenn nicht gerade der Hilferuf eines Bezirkspolitikers die Aufmerksamkeit der Stadtgesellschaft auf diesen Ort lenkt.

Doch verstärkte Polizeikontrollen – von denen die Polizei selbst am Dienstag bezeichnenderweise noch gar nichts wusste – waren nur der am wenigsten kontrovers diskutierte Teil der Forderungen des grünen Bezirksbürgermeisters. Dieser hatte ferner gefordert, dass Berlin die Ausweisung aggressiver, drogen- und alkoholkranker Obdachloser aus Osteuropa angehen müsse. Auch damit wird sich die Taskforce nun ernsthaft auseinandersetzen müssen. Und wenn der Innensenator dazu sagt, „soziale Probleme kann man nicht ausweisen, man muss sie lösen“, hängt er die Latte damit nur umso höher: Man darf gespannt sein, was die Task Force als Lösung präsentieren wird.

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