Katastrophale Zustände

Die Probleme im Tiergarten sind seit Jahren bekannt

Im Tiergarten gibt es Probleme mit Obdachlosen aus Osteuropa. So richtig zuständig fühlt sich aber niemand, beklagt Alexander Dinger.

Hochhäuser des Hansaviertels am Rande des Tiergartens

Hochhäuser des Hansaviertels am Rande des Tiergartens

Foto: dpa Picture-Alliance / Wolfgang Kumm / picture alliance / dpa

Die Zustände im Tiergarten sind so katastrophal, dass sich der Grünen-Bezirksbürgermeister Stephan von Dassel mit einem dramatischen Appell an die Öffentlichkeit gewandt hat. Besser spät als nie.

Als nach dem Mord an Susanne F. vor einem Monat der Wirt des beliebten Schleusenkruges öffentlich beklagte, dass er von den Behörden alleingelassen werde und die Zustände im Tiergarten seit Jahren bekannt seien, wurde er aus dem Hause des Mitte-Bürgermeisters noch abgekanzelt. Es stehe dem Wirt frei, seine Meinung "medial kundzutun", hieß es damals wörtlich aus dem Bezirksamt. Man leiste schließlich bereits jegliche Unterstützung. So weit, so schlecht. Natürlich steht es auch einem Bezirksbürgermeister frei, seine Meinung "medial kundzutun".

Interessant ist aber auch, was Sozialarbeiter, Anwohner, Touristen und Gewerbetreibende zur Situation im Tiergarten sagen. Also jene Menschen, die damit täglich konfrontiert sind. Die Betroffenen kritisieren unisono, dass sich keiner so richtig zuständig fühle. Im Alltag sieht das dann so aus: Die Bundespolizei, deren Wache am Zoo nur wenige Meter von dem Ort entfernt ist, an dem Susanne F. getötet wurde, ist nicht zuständig, ebenso wenig das Sicherheitspersonal der Bahn. Die Landespolizei ist zwar zuständig, hat aber zu wenig Personal und verweist auf das Ordnungsamt und damit auf den Bezirk. Der Bezirk verweist wiederum auf seine Personalsituation und schickt ab und zu Mitarbeiter des Grünflächenamtes in den Park.

Aus dem Bezirk kommt der verständliche Ruf nach der Landespolitik, die wiederum den Ball zurück zum Bezirk spielt. Am Ende des Tages hat man eine Situation, in der jede Behörde die Hand hebt und ziemlich genau erklären kann, warum man gerade etwas nicht machen könne oder nicht zuständig sei.

Dem Bürger dürften solche Erklärungen egal sein. Was zählt ist, was man sieht. Und das sind die Zustände im Tiergarten – im Herzen Berlins.

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