Tiergarten

So verwahrlost ist der Schleusenweg

Nach dem Tod von Susanne F. beklagt der Betreiber des Schleusenkrugs, dass am Schleusenweg nichts geschieht, um das Umfeld zu verbessern.

Müll liegt am Rand des Schleusenwegs

Müll liegt am Rand des Schleusenwegs

Foto: Lorenz Vossen

Nach dem Mord an Susanne F. erheben die Wirte des Schleusenkrugs Vorwürfe gegen die Berliner Behörden. Auf ihrer Internetseite schreiben die Betreiber des beliebten Ausfluglokals im Tiergarten: "Seit Jahren kämpfen wir für ein sicheres Umfeld hier in diesem Teil des Tiergartens und haben uns meist sehr alleingelassen gefühlt." Man sei geschockt von der Nachricht und mit dem ganzen Mitgefühl bei der Familie, den Freunden und Nachbarn, heißt es in dem Schreiben weiter.

Die 60 Jahre alte Kunsthistorikerin und Kastellanin des Schlosses Glienicke und der Pfaueninsel hatte sich am vergangenen Dienstag mit drei Freundinnen im Schleusenkrug getroffen. Gegen 22.20 Uhr war sie allein in Richtung Hardenbergplatz gegangen. Von dort wollte sie nach Hause fahren. Weil sie dort nie ankam, meldete sich ihr Mann am Mittwochmorgen bei der Polizei. Die suchte den Weg ab und setzte auch Spürhunde ein – ergebnislos.

Passanten entdeckten am Freitag schließlich eine Frauenleiche. Schnell war klar, dass es sich bei dem Opfer um die seit Dienstag vermisste Kunsthistorikerin aus Charlottenburg handeln muss. Der Leichnam lag nur wenige Meter neben dem stark frequentierten Schleusenweg versteckt in einem Gebüsch. Der Bahnhof Zoo liegt in Sichtweite, ebenso eine Wache der Bundespolizei.

Berge von Müll links und rechts des Wegs

Am Sonntag bot der Schleusenweg – wie schon so oft – ein extrem ungepflegtes Bild. Berge von Müll türmten sich links und rechts des Weges. Neben Fäkalien lagen zahlreiche Drogenbestecke. In den Büschen und unter Bäumen leben Obdachlose und Drogenabhängige. Außerdem gibt es dort in den Abendstunden eine Prostitutionsszene. Zwar hat der Bezirk Mitte hin und wieder den Wildwuchs entfernt – mehr passierte allerdings nicht. Dabei hatte es schon 2004 einen Mord an einem Obdachlosen in der Nähe gegeben.

Seit dem Mord an Susanne F. stehen mehrere Fragen im Raum. Wieso bemerkte niemand die Tat? Sind Tatort und Fundort identisch? War es ein Raubmord? Warum schlugen die hoch spezialisierten Suchhunde der Polizei bei der Suche nicht an? Mit Details hält die Polizei sich aber sehr bedeckt. Der Grund ist, dass es sich um Täterwissen handelt. Gelangen allzu detaillierte Beschreibungen des Tathergangs an die Öffentlichkeit, ist es für die Ermittler später schwieriger, den Tatverdächtigen bei der Vernehmung aus der Reserve zu locken. Denn der könnte sich auf Zeitungswissen berufen. Ein Haftrichter würde den Ermittlern später, wenn die Beweise nicht gerichtsfest sind, den Antrag für einen Haftbefehl ablehnen.

Bekannt ist bislang nur, dass das Handy der Toten offenbar nach der Tat noch einmal kurz eingeschaltet war. Nach Informationen der Berliner Morgenpost starb Susanne F. "durch Gewalt gegen den Hals". Einen Bericht, wonach sie erschlagen worden sei, bestätigte die Polizei nicht.

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