Seit mindestens zwei Jahren sorgt der Berliner Arbeitsmarkt für eher gute Nachrichten. Die Zahl der sozialversicherungspflichtigen Jobs ist stark gestiegen, die Arbeitslosenquote gesunken, der Niedriglohnsektor geschrumpft. Also alles in Butter? Natürlich nicht. Die Jugendarbeitslosigkeit ist noch viel zu hoch, da haben auch die in den Bezirken eingerichteten Jugendberufsagenturen bislang nicht für einen Durchbruch sorgen können.
Noch immer sind auch zu viele Menschen von Langzeitarbeitslosigkeit betroffen. Und schließlich ist die Integration von Zehntausenden Flüchtlingen in den ersten Arbeitsmarkt eine riesige Herausforderung.
Da wirken 20 geförderte Arbeitsplätze für Geflüchtete und Langzeitarbeitslose in Tandem-Jobs auf den ersten Blick wie eine zu vernachlässigende Randnotiz. Doch der zweite Blick lohnt sich. Der Arbeitsmarkt braucht ungewöhnliche und innovative Ansätze. Zum einen, weil auch Menschen, die zu diesem ersten Arbeitsmarkt keinen leichten Zugang haben, an der wirtschaftlichen Prosperität der Stadt teilhaben sollen.
Der Arbeitskräftemangel ist ein zunehmendes Problem
Zum anderen, weil der Arbeitskräftemangel ein zunehmendes Problem darstellt und inzwischen auf Branchen durchschlägt, bei denen das vor nicht allzu langer Zeit undenkbar schien. Alle werden gebraucht. Und jeder besetzte Arbeitsplatz zählt.
„Wir müssen Arbeit neu denken“, sagen inzwischen auch Personalchefs. Die Tandem-Jobs könnten dabei durchaus zum Erfolgsmodell im größeren Rahmen und in anderen Städten werden. Zwei Menschen, die voneinander lernen und aneinander wachsen – bisherige Beispiele zeigen, dass das funktionieren kann. Mentorenprogramme haben bewiesen, wie wichtig es ist, dass Menschen mit Lebens- und Berufserfahrung Neulinge unter ihre Fittiche nehmen.
Nur sind solche Programme nicht überall möglich. Also warum nicht voneinander lernen und sich gegenseitig stützen? Ein Versuch ist es allemal wert.



