Die Rekommunalisierungsträume sind erst einmal geplatzt. Seit Jahren wünschen sich zahlreiche SPD-Politiker, der Senat möge eine stärkere Rolle in der Berliner Energieversorgung spielen und die Energiewende auf lokaler Ebene schneller voranbringen. Als Objekt der Begierde waren sie schon vor Jahren auf die Gasag gestoßen.
Denn der vor bald 20 Jahren privatisierte Gaskonzern hat sich gewandelt. Inzwischen verkauft die Gasag nicht nur Erd- und Biogas und betreibt das Gasnetz, sondern bietet auch Ökostrom und designt energieeffiziente Stadtviertel. Mit der Gasag, so das auch von Finanzsenator Matthias Kollatz-Ahnen (SPD) verfolgte Kalkül, hätte Berlin sofort ein eigenes Stadtwerk mit großer Kundschaft.
Die Stadt könnte sich den leidigen Streit um die Gasnetzkonzession sparen, indem man die Mutterfirma kauft. So müsste man den Bieterwettkampf zwischen Gasag und der landeseigenen Berlin Energie nicht noch jahrelang durch die Gerichtsinstanzen treiben, während wichtige Entscheidungen zu Netzausbau und Modernisierung womöglich unterbleiben.
Tempo für die Energiewende in Berlin geht verloren
Aber Kollatz-Ahnen hat sich verkalkuliert. Zwar ist die Überlegung, sich als Senat einen erfahrenen Industriepartner mit ins Boot zu holen, nachvollziehbar. Die Gasag verdient zwar ordentliches Geld, aber in der Energiebranche kann sich das alles auch schnell ändern. Sich jedoch auf Eon als Partner für den Gassektor festzulegen, hat sich als Sargnagel für das Projekt Gasag-Rückkauf erwiesen.
Denn die Schweden von Vattenfall und die Franzosen von Engie werden den Teufel tun, einen regional noch schwachen Konkurrenten groß zu machen, indem sie an die Allianz Berlin/Eon Anteile verkaufen. Weil die Energiekonzerne unter dem Druck der Verhältnisse alle in die Geschäftsfelder Netzbetrieb, erneuerbare Energien und Energieeffizienz drängen, geht es eben nicht mehr um klar voneinander abgrenzbare Aktivitäten, sondern um harten Wettbewerb.
Für Berlin ist die Entwicklung schlecht. Nach Jahren der Blockade zwischen SPD und CDU im Senat passiert wieder nichts, was dringend benötigtes Tempo in die Energiewende in der Hauptstadt bringen könnte.

