„Der Mensch ist vielerlei, aber vernünftig ist er nicht.“ Jener Aphorismus von Oscar Wilde konnte einem in den Sinn kommen, als Anfang Mai der Streit um das Olympiastadion zwischen Hertha BSC und der Betreibergesellschaft, mit dem Land Berlin als alleinigen Gesellschafter, zu eskalieren drohte. Öffentlich formulierte Wünsche nach einer neuen, eigenen Fußball-Arena hier, kratzbürstige Reaktionen samt irrwitziger Forderungen nach einer Verdoppelung der Stadionmiete plus langfristiger Bindung dort. Und das, obwohl beide wussten, dass man sich braucht: Hertha eine Heimstätte, solange die neue noch fehlt, Berlin einen verlässlichen Mieter.

Das alles hat sich nun erstaunlich schnell aufgelöst: Hertha bleibt vorerst im Olympiastadion. Beide Seiten einigten sich auf die Verlängerung des Mietvertrages bis 2025. Zudem besitzt der Bundesligist eine Option, den Kontrakt nochmals um fünf Jahre bis 2030 auszuweiten. Der Mensch, zumindest die Menschen, die dort am Tisch saßen, haben doch Vernunft bewiesen. Denn beide Seiten sind Gewinner.

Berlin bekommt gesicherte und durch die Anpassung der Stadionmiete erhöhte Einnahmen bis mindestens 2025. Hertha hat vor allem Zeit gewonnen: Der Wunsch nach einer eigenen Fußballarena bleibt bestehen. Sie ist notwendig, um den strukturellen Nachteil gegenüber der Ligakonkurrenz ausgleichen zu können. Doch das wird Zeit brauchen. Weil man aber ab 30. Juni 2017 (Ende des alten Mietvertrages) nicht ohne Stadion dastehen kann, und zudem im März die DFL für die Lizenzgewährung zur Saison 2017/18 einen Nachweis der Heimstätte sehen will, musste schnell gehandelt werden.

Hertha hat nun acht Jahre Zeit, um eine neue Arena zu realisieren – plus möglichem Fünfjahrespuffer. Diese jetzt erneuerte Partnerschaft ist eine auf Zeit, der Deal ein Kompromiss. Hertha will und muss sich verändern, um im Verdrängungswettbewerb Bundesliga bestehen zu können. Oder wie Oscar Wilde schrieb: „Unzufriedenheit ist der erste Schritt zum Erfolg.“