Bundesliga

Hertha BSC verlängert im Olympiastadion

Der Bundesligist einigt sich mit dem Land Berlin auf einen neuen Vertrag bis 2025. Heute stehen Neuwahlen zum Präsidium an.

Bundesliga im Olympiastadion, hier Hertha gegen Darmstadt mit Torwart Christian Mathenia (Nr. 31): So wird es wohl bis 2025 bleiben

Bundesliga im Olympiastadion, hier Hertha gegen Darmstadt mit Torwart Christian Mathenia (Nr. 31): So wird es wohl bis 2025 bleiben

Foto: Thomas Eisenhuth / picture alliance / ZB

Berlin.  Die Nachricht ist eine echte Überraschung. Ungeachtet des großen Kanonendonners, der noch Anfang Mai geherrscht hatte, haben sich Hertha BSC und die Olympiastadion-Betreibergesellschaft still und leise auf einen neuen Mietvertrag geeinigt.

Nach ­Informationen der Morgenpost wird der neue Vertrag eine Laufzeit von „deutlich über fünf, aber weniger als zehn Jahren“ haben. Das hört sich an wie ein Acht-Jahres-Kontrakt, der dann von Juli 2017 bis Juni 2025 laufen wird.

Diese Nachricht soll heute auf der turnusmäßigen Mitgliederversammlung von Hertha BSC verkündet werden, die ab 19 Uhr in der Messehalle 18 an der Masurenallee abgehalten wird.

Beide Seiten sind aufeinander zugegangen

Mit dieser raschen Übereinkunft war nicht zu rechnen. Schließlich sind die Meldungen über utopische Forderungen an Hertha keine 14 Tage alt, mit denen die Eigentümer-Seite die Verhandlungen über einen Mietvertrag eröffnet hatte.

Bei den Zahlen von Timo Rohwedder, Geschäftsführer der Olympiastadion Betreibergesellschaft, war die Rede von einem 15-Jahres-Kontrakt, von einer Verdopplung der Miete auf 7,5 Millionen Euro pro Saison ­sowie die ersatzlose Abtretung der ­Catering-Rechte von Hertha an die ­Betreibergesellschaft.

In der Addition dieser Vorstellungen hätte es den ­Bundesligisten insgesamt 135 Millionen Euro gekostet, von 2017 bis 2032 im Olympiastadion zu spielen.

Diese Kuh ist vom Eis. Offensichtlich haben sich beide Seiten darauf besonnen, dass sie in einem gemeinsamen Boot sitzen und gemeinsame Interessen haben. So bewegte sich die Eigentümer-Seite, das Land Berlin mit der Betreibergesellschaft, auf Hertha zu – und umgekehrt. „Wir haben eine gute Lösung gefunden. Die Vertragspartner wissen, was sie aneinander haben", sagte Sportsenator Frank Henkel. "Hertha BSC ist ein Aushängeschild unserer Stadt. Wir sind stolz, wenn der Verein auch weiterhin in dieser wunderbaren Fünf-Sterne-Arena aufläuft. Hertha und das Olympiastadion, das gehört einfach zusammen.“

Hertha akzeptiert kräftigen Mietanstieg

So groß die Kritik an den überzogenen Forderungen des Senats war, auch bei Hertha waren sie erschrocken. Weil der Bundesligist im März 2017, wenn die Deutsche Fußball-Liga (DFL) über die Lizenz für 2017/18 entscheidet, eine verbindliche Zusage benötigt über eine Bundesliga-taugliche Spielstätte. Mit dem nun gefundenen Kompromiss haben beide Seiten mittelfristig Sicherheit. Das Land Berlin kann mit regelmäßigen Einnahmen seines Anker-Mieters rechnen.

Hertha bleibt bis auf Weiteres das Olympiastadion erhalten, vom Fußball-Weltverband Fifa als Fünf-Sterne-Arena zertifiziert. Hertha hat gegenüber der bisher vergleichsweise günstigen Nutzungsgebühr (drei bis vier Millionen Euro pro Jahr) eine kräftige Mietsteigerung akzeptiert. „Ich freue mich, dass wir in intensiven Verhandlungen in den wichtigen Punkten Laufzeit, Miethöhe und Cateringrechte Einigung erzielen konnten. Das bedeutet Klarheit in diesem wichtigen Thema und damit Planungssicherheit“, erklärte Präsident Gegenbauer.

Trotzdem gibt es eine Machbarkeitsstudie

Ungeachtet dieser Vereinbarung mit dem Senat bleibt es das Anliegen von Hertha, perspektivisch in einem reinen Fußballstadion zu spielen. Die Hertha-Offiziellen sind gut beraten, ihre Mitglieder heute aufzuklären, warum die Vereinsführung aus der langjährigen Heimstatt ausziehen will.

Das Thema weckt Emotionen: Viele Anhänger fühlen sich dem Olympiastadion, in dem Hertha seit 1963 spielt, verbunden. Trotzdem gibt es gute Gründe, sowohl in Sachen Atmosphäre als auch Finanzen, sich mit einem neuen Stadion zu befassen. Zu diesem Zweck vergibt die Hertha-Geschäftsführung gerade den Auftrag, eine Machbarkeitsstudie zu ­erstellen.

Gegenbauer ohne Gegenkandidat

Bei der turnusmäßigen Neuwahl des Präsidiums entscheiden die Mitglieder, in welcher personellen Konstellation Hertha die kommenden vier Jahre angeht. Die Wahlen von Präsident Gegenbauer und Vize Thorsten Manske ­ werden ein Selbstgänger. Beide haben keinen Gegenkandidaten.

Für die verbleibenden bis zu sieben Plätze im Präsidium gibt es zehn Bewerber: die bisherigen Präsidiumsmitglieder Renate Döhmer, Michael Ottow, Ingmar Pering, Norbert Sauer, Christian Wolter und Marco Wurzbacher. Außerdem buhlen um die Gunst der Mitglieder Oliver Dunk (Radio-Unternehmer) sowie die Rechtsanwälte Fabian Drescher, Bert Handschuhmacher und Jörg Neubauer.

Berater Neubauer sieht keinen Interessenskonflikt

Gespannt sein darf man auf das Abschneiden von Neubauer, der seit mehr als 25 Jahren als Spielerberater und Jurist in der Branche tätig ist (vertritt unter anderem Sami Khedira). Er sieht keinen Interessenkonflikt aus seiner Tätigkeit mit einem möglichen Präsidiumsamt. Im deutschen Profifußball hat es eine solche Konstellation bisher nicht gegeben.

Die Mannschaft um Kapitän Fabian Lustenberger wird sich als letzte Aktion, ehe es am Dienstag in den Urlaub geht, den Mitgliedern präsentieren. Die aktuelle Saison unter Trainer Pal Dardai als Liga-Siebter samt Qualifikation für das internationale Geschäft ist das beste Jahr seit 2009 (damals belegte Hertha unter Lucien Favre Rang vier). Das Ziel „Etablieren in der Bundesliga“ geht somit ins vierte Jahr in Folge.

Etat steigt erstmals über 100 Millionen Euro

Was sich als Konstante durchzieht: Profifußball ist ein sehr teures Geschäft. Für die kommende Saison wird Finanzchef Ingo Schiller den Mitgliedern erstmals einen Haushalt vorlegen, der die Schallmauer von 100 Millionen Euro durchbrechen wird. Zum ­Vergleich: 2014/15 hatte Hertha Erträge von 88,5 Millionen ausgewiesen.