Wohnungen in Berlin

Berlins "Siedlungskästen“ sind kein Fall für die Abrissbirne

| Lesedauer: 2 Minuten
Isabell Jürgens
Abriss? Nein Danke! Nur zusätzlicher Neubau bringt Entspannung auf dem Berliner Wohnungsmarkt

Abriss? Nein Danke! Nur zusätzlicher Neubau bringt Entspannung auf dem Berliner Wohnungsmarkt

Foto: picture-alliance/ dpa / picture-alliance/ dpa/dpa

Eine Studie fordert den Abriss vieler Nachkriegsbauten in Berlin. Doch die Wohnungen werden dringend gebraucht, meint Isabell Jürgens.

Zugegeben: Als Berlin in den Nachkriegsjahren daran ging, mit groß angelegten Wiederaufbauprogrammen schnell und preiswert Wohnraum zu schaffen, waren die Begriffe „Energieeffizienz“ und „Barrierefreiheit“ noch nicht einmal erfunden.

Es ging in den 50er-, 60er- und auch noch den 70er-Jahren vor allem darum, den Berlinern in der kriegszerstörten Stadt wieder ein Dach über dem Kopf, versehen mit Heizung und fließend Wasser, zu schaffen. Gerade dank dieser schlichten Wohnungen ist diese Mammutaufgabe damals gelungen.

Inzwischen hat sich die Welt weiter gedreht, und die meisten dieser Häuser entsprechen nicht mehr den modernen Anforderungen. Doch sind sie deshalb in weiten Teilen ein Fall für die Abrissbirne, wie eine Studie behauptet, die Verbände der Wohnungs- und Bauindustrie vorgelegt haben?

Viele bezahlbare Wohnungen in Berlin

Heute weniger denn je, möchte man den Verfassern der Studie zurufen, denn gerade dank dieser schlichten Wohngebäude verfügt Berlin immer noch über einen recht ansehnlichen Anteil an bezahlbaren Wohnungen.

Dass sich deren energetische und funktionale Mängel nur mit enormem Kapitalaufwand an den Standard angleichen lassen, der für heutige Neubauten gilt, schmälert ihren Wert für die preiswerte Wohnraumversorgung in der Hauptstadt jedoch nicht. Denn abgesehen davon, dass viele Mieter gerne in ihren praktischen „Siedlungskästen“ wohnen, lassen sich diese mit überschaubarem Finanzeinsatz durchaus so weit dämmen und barrierearm ausstatten, dass auch eine alternde Bevölkerung dort weiterhin recht komfortabel leben kann.

Viele Berliner wären heute froh, wenn sie eine dieser preiswerten Wohnungen beziehen könnten. Winzige fensterlose Bäder sind natürlich nicht optimal und eine gegen Null gehende Heizkostenabrechnung ist schön. Angesichts der Wohnungsknappheit in Berlin, die durch die vielen Flüchtlinge noch einmal deutlich an Dynamik gewonnen hat, sollten Investitionen derzeit aber nicht in den „Ersatzneubau“ – so bezeichnen die Studienverfasser Abriss und Neubau – fließen. Sondern lieber in den „Ergänzungsneubau“. Denn nur zusätzlicher Neubau bringt Entspannung auf dem Berliner Wohnungsmarkt.