Was erlauben Hertha? Darf Manager Michael Preetz laut darüber nachdenken, dass der Verein raus will aus dem Olympiastadion und eine eigene Fußballarena anstrebt? Wo die Blau-Weißen seit Jahr und Tag für eine moderate Miete im WM-Finalstadion von 2006 spielen? Manager Preetz darf nicht nur über das Thema nachdenken, die Geschäftsführung von Hertha muss es tun. Die Bundesliga ist ein knallharter Verdrängungswettbewerb. Stillstand bedeutet Rückschritt.

Will man sich verändern, verkündet man das in einer positiven Phase. So macht es Manager Preetz. Hertha ist Dritter in der Bundesliga und Pokal-Halbfinalist. Der Verein hat das Start-up-Potenzial genutzt und sich am vergangenen Wochenende in einer „Crowdlending“ in sagenhaften 9:23 Minuten eine Million Euro geliehen. In den Wirtschaftsteilen des Landes wird dieser Vorgang als Sensation wahrgenommen: Hertha zeigt, dass Profiklubs den Finanzierungsmix um ein neues ­Instrument erweitern können.

Die Beispiele des FC Bayern und von Borussia Dortmund machen es vor, warum es viel Geld wert ist, Herr der eigenen Stadioneinnahmen zu sein. Richtig ist der Einwand: Man kann auf der ­Strecke Fehler machen. Es gibt mehrere Negativbeispiele von Klubs, denen die Finanzierung ihres Stadions wie ein Mühlstein am Hals hängt.

Hertha wird die Finanzierung nicht ohne Investor hinbekommen. Wird der gefunden (und ein Standort), bindet sich der Verein auf viele Jahre. Zunächst muss Hertha Hausaufgaben erledigen. Vom Präsidium und Aufsichtsrat sollte ein starkes Signal ausgehen, dass die Veränderung tatsächlich gewünscht ist: Sie müssen eine Machbarkeitsstudie in Auftrag geben. Klar ist: Das Projekt einer ­Zukunftsarena ist kein Sprint, sondern ein Marathon, der vielleicht bis 2022 oder 2024 zu laufen ist.

Das übergeordnete Ziel von Hertha ist es, dauerhaft zu den Top-fünf-Klubs in Deutschland aufzusteigen. In jenen erlauchten Zirkel, der regelmäßig international spielt. Den Beweis, dass das im Olympiastadion nicht hinzubekommen ist, hat Hertha seit mehr als 50 Jahren ­erbracht. Der Vorstoß von Michael Preetz ist ein Signal, den Mut zu haben, in neue Zeiten aufzubrechen.