Die Euphorie in der Flüchtlingspolitik ist der Ernüchterung gewichen. Das ist verständlich. Denn der Anspruch, den vielen Menschen zu helfen, stellt die Gesellschaft vor enorme Herausforderungen.

Noch geht es vor allem um die Versorgung der Flüchtlinge. Sie brauchen ein Dach über dem Kopf, sie müssen qualifiziert, die Kinder unterrichtet werden. Das ist schwierig genug.

Doch dabei bleibt es nicht. Denn man muss kein AfD-Anhänger sein, um darauf hinzuweisen, dass viele Geflüchtete aus Ländern kommen, in denen andere Wertmaßstäbe gelten. Eine andere Kultur, ein anderes Rechtssystem, ein anderes Verständnis der Rolle von Staat und Religion. Der sozialen Integration muss also eine Integration der Werte folgen. Sonst kann das Zusammenleben nicht funktionieren.

Der Ansatz klingt gut. Denn die Initiatoren wollen die Geflohenen nicht als Menschen zweiter Klasse behandeln. Sie sollen sich nicht – als gehörten sie niederen Zivilisationen an – in einem Akt der Unterwerfung per Unterschrift zur deutschen Leitkultur bekennen. Nein, sie sollen verstehen, was den Kitt ausmacht, der unsere Gesellschaft zusammenhält, und diese dadurch akzeptieren.

Flüchtlinge könnten nichts dafür, wenn sie zu wenig über unsere Rechtsordnung wüssten. Ihnen zu helfen, sei auch in unserem Interesse, sagt Justizsenator Thomas Heilmann (CDU).

Recht hat er. Denn natürlich wird es Schlagzeilen geben über Flüchtlinge, die sich auch hier eher nach einem zweifelhaften Verständnis der Scharia richten als nach dem Strafgesetzbuch. Und es wird Familien geben, die auch bei uns der Gleichberechtigung ein archaisches Verständnis von der Rolle der Frau vorziehen.

Wir dürfen das nicht akzeptieren. Aber es nur anzuprangern, bringt auch nichts. Wir müssen der Integration eine Chance geben. Das Berliner Projekt, Arbeitstitel „Deutschland für Einsteiger“, könnte den Weg aufzeigen.