Politiker sollten nicht dauerhaft gegen den Willen des Volkes handeln. So ist es folgerichtig, dass Berlins Regierungskoalition in einer für viele Familien sehr bedeutenden Frage reagiert hat. Eltern wollen sich nicht von Bildungsbürokraten vorschreiben lassen, wann ihr Kind reif für den Ernst des Lebens ist und mit der Schule anfangen soll. Es ist für viele Mütter und Väter ein wesentliches Problem, wenn sie ihr Kind eben noch nicht in der Lage sehen, in der Schule mitzukommen und sich außerhalb des Schutzraumes Kita und Familie zu behaupten. Die Lage hatte sich verschärft, seit Rot-Rot vor zehn Jahren das Einschulungsalter vorgezogen hatte. In der Folge mussten viele Fünfjährige in die Schule, nicht wenige davon erlebten das erste Scheitern ihres Lebens.
Für 5000 Kinder, das sind 20 Prozent eines Jahrgangs, hatten die Eltern zuletzt durchgesetzt, dass die Bildungsverwaltung ihre Sprösslinge vom Schulbesuch zurückgestellt hatte. Wenn eine Regel in jedem fünften Fall nicht taugt, ist ein Umdenken angebracht.
Das ist nun erfolgt. Die CDU drängte die SPD dazu, das Einschulungsalter wieder anzuheben und damit einen Fehler zu korrigieren. Künftig müssen erst solche Kinder in die Schule, die mindestens fünfdreiviertel Jahre alt sind. Das kostet viel Geld, weil die Kinder jetzt länger in der Kita bleiben. Aber angesichts von Gesamtkosten für die Kita von weit mehr als einer Milliarde Euro pro Jahr fallen die 30 Millionen Euro zusätzlich nicht allzu stark ins Gewicht. Wobei die praktischen Schwierigkeiten, 4000 Kitaplätze zusätzlich zum ohnehin steigenden Bedarf zu schaffen, nicht zu unterschätzen sind.
Bildungspolitikern sollte die Kehrtwende eine Lehre sein. Die Reform wurde seinerzeit gemacht, weil deutsche Schulabgänger im internationalen Vergleich als zu alt angesehen wurden im Wettlauf mit Chinesen oder Amerikanern. Davon redet inzwischen kaum noch jemand. Aber es hat große Mühe, viele überforderte Kinder und verärgerte Eltern gekostet, den einmal eingeschlagenen Irrweg zu verlassen.



