Kommentar

Pantomimen reichen nicht, um die Partykieze zu beruhigen

Die Pantomimen waren als Beruhiger der Kieze gut gemeint, meint Christine Richter. Doch es ist richtig, aufs Ordnungsamt zu setzen.

Pantomime-Künstler des Pilotprojekts fair.kiez an der Warschauer Straße

Pantomime-Künstler des Pilotprojekts fair.kiez an der Warschauer Straße

Foto: dpa Picture-Alliance / Jörg Carstensen / picture alliance / dpa

Viele haben gelacht: In diesem Sommer hat der Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg gemeinsam mit der Tourismusgesellschaft „Visit Berlin“ Pantomimen auf die Straße geschickt. Sie sollten die Touristen und Berliner in den Szenevierteln dazu animieren, leiser zu sein. „Haha“, kommentierten viele diesen Plan. „Lächerlich“, „das klappt doch nie“, hieß es. Nun – die Bilanz des zuständigen Stadtrats fällt anders aus.

In Kreuzberg, dort wo auch viele Anwohner abends unterwegs sind, wurden die Pantomimen wahrgenommen – und dann auch mehr Rücksicht genommen, weniger Lärm gemacht. In Friedrichshain, rund um die Simon-Dach-Straße und entlang der Warschauer Brücke sind vor allem Touristen unterwegs, die ein Ziel haben: Party machen. Denen waren die Pantomimen egal, sie selbst waren ja gerade zum Feiern nach Berlin kommen. Und weil da meist Alkohol im Spiel ist, geht das nicht leise zu. Leider.

Das Bezirksamt zieht daraus nun Konsequenzen, offensichtlich die richtigen. In Friedrichshain werden künftig wieder mehr Mitarbeiter des Ordnungsamts unterwegs sein, um für Ruhe zu sorgen. Denn der Versuch dieses Sommers hat gezeigt, dass Touristen und Kneipengäste nicht freiwillig leiser sind und auf die Anwohner Rücksicht nehmen. Also müssen Ordnungsamt und Polizei dafür sorgen, dass es sich dort aushalten und nachts schlafen lässt.

Es muss ein gutes Miteinander aller geben

Ich persönlich gehe schon seit Langem nur noch selten rund um die Simon-Dach-Straße aus, mir ist es dort mit den Touristengruppen aus aller Welt zu laut und vor allem auch zu voll geworden. Da ich aber ebenfalls in einem Szeneviertel in Prenzlauer Berg wohne, weiß ich, wie wertvoll es ist, wenn sich alle an die Regeln halten, wenn im Sommer nicht noch um 1 oder 2 Uhr nachts vor den Kneipen laut gefeiert wird.

In den Kiezen in der Berliner Innenstadt muss es ein Miteinander geben – von Anwohnern und Touristen –, aber auch eine gute Mischung – von Läden, Supermärkten oder Arztpraxen bis hin zu Kneipen, Cafés und Clubs. Nur dann ist so ein Kiez lebenswert, nur dann macht es auch Touristen Spaß, dorthin zu kommen. Und über Besucher aus aller Welt, über die freuen wir uns weiterhin. Auch im Szeneviertel.