Kommentar

Berlins Verwaltung muss westeuropäisches Niveau erreichen

Der Zustand der Berliner Verwaltung ist jämmerlich, meint Joachim Fahrun. Er fordert ganz neue Ansätze statt nur mehr Nachwuchs.

Berliner warten avor dem Bürgeramt in der Sonnenallee in Berlin-Neukölln

Berliner warten avor dem Bürgeramt in der Sonnenallee in Berlin-Neukölln

Foto: Gregor Fischer / dpa

Berlins Verwaltung ist in einem jammervollen Zustand. Lageso, Bürgerämter, Elterngeldstellen, KfZ-Zulassung, nirgendwo hat der Bürger den Eindruck, ordentlich bedient zu werden. Das liegt nur selten an den einzelnen Mitarbeitern. Viele leisten viel unter widrigen Bedingungen: veraltete Technik, obrigkeitliche Führung, schlechte Organisation, Personalmangel, hoher Krankenstand. Es wird höchste Zeit, dass sich Berlins Senat endlich seiner ureigensten Aufgabe zuwendet, den eigenen Laden in den Griff zu bekommen.

Natürlich gab es Gründe in den vergangenen 15 Jahren, die Personalzahl drastisch zu reduzieren und Abgänge nicht mehr zu ersetzen. Berlin schrieb Jahr für Jahr rote Zahlen und Personal ist nun mal ein wesentlicher Kostenfaktor in einem Haushalt. Aber vielerorts wurde die Schraube überdreht und nicht rechtzeitig gegengesteuert. Wenn jetzt zusätzliche Auszubildende und Beamtenanwärter in die Behörden kommen, dann ist das zu begrüßen. Ob der nun zumindest theoretisch eingeplante Nachwuchs ausreicht, bleibt jedoch fraglich. Und mehr Personal allein wird die Probleme auch nicht lösen.

Es wird viel zu wenig über die Strukturen des öffentlichen Dienstes gesprochen, die das Regieren und Verwalten in Berlin komplizierter und teurer machen als anderswo. Bürgerämter in Hamburg haben auch nicht mehr Leute als die in Berlin, funktionieren aber deutlich besser. Und auch Hamburg wächst.

Zentrale Stellen wären für manche Aufgabe effizienter

Aber warum ist es in Berlin eine Bezirksaufgabe, Bürgern Reisepässe auszustellen? Warum gibt es keine berlinweit handelnde Stelle, die zu Dutzenden Schulen nach den tatsächlichen Bedarfen saniert? Für die Bezirke blieben genügend Aufgaben, die eben wirklich mit Bürgernähe vor Ort zu tun haben. Aus denen sollte sich dann der Senat raushalten.

Jede Diskussion über die nötige Kopfzahl des Berliner Öffentlichen Dienstes ist unvollständig, ohne grundsätzlich über Aufgaben, Ausstattung und Prozesse in dieser Verwaltung zu sprechen. Dass jetzt endlich wieder frisches Blut in die Behörden kommt, ist hilfreich für einen Wandel. Aber mehr Nachwuchs kann nur ein Teil der Lösung sein, um Berlins Behörden auf westeuropäisches Niveau zu heben.