Der Wohnungsneubau in Berlin kann mit der Zuwanderung nicht Schritt halten. Nur rund 12.000 Wohnungen werden in diesem Jahr fertiggestellt, zugleich wird Berlin allein in diesem Jahr um etwa 80.000 Einwohner wachsen. Stadtentwicklungssenator Andreas Geisel (SPD) mahnt deshalb zu Recht an, dass die Anstrengungen im Wohnungsbau verdoppelt und verdreifacht werden müssen. Ob jedoch seine Diagnose stimmt, dass einige der zwölf Berliner Bezirke Schuld am schleppenden Baugeschehen haben, darf man getrost bezweifeln.

Der Senator begründet seine Bezirksschelte damit, dass etwa Reinickendorf und Treptow-Köpenick vergleichbare Voraussetzungen für den Wohnungsbau hätten, jedoch im südöstlichen Randbezirk nahezu zehnmal mehr Baugenehmigungen ausgestellt werden als im nördlichen Außenbezirk Reinickendorf. Beide Bezirke hätten viel Wald und Wasser, aber auch Potenzial für neue Quartiere. Geisels Schlussfolgerung lautet deshalb: Reinickendorf drückt sich, während man sich in Treptow-Köpenick der Herausforderung stellt.

Bauanträge hängen auch vom noch vorhandenen Fluglärm ab

Dass die Betrachtung allein von Baugenehmigungszahlen eine solche Interpretation nicht hergibt, unterschlägt der Senator dabei einfach. Denn tatsächlich gibt es viele Faktoren, die Reinickendorf und Treptow-Köpenick unterscheiden. Der Wichtigste: Reinickendorf und auch das ebenfalls gescholtene Spandau leiden unter der noch immer offenen Frage, wann der Flughafen Tegel endlich schließt.

Erst dann wird die Bebauung in den Einflugschneisen und angrenzenden Wohngebieten zu einer Investition, die sich sowohl für private als auch für städtische Bauträger lohnt. Und erst dann werden auch Bauanträge in großer Zahl gestellt.

Der Nahverkehr spielt eine große Rolle

Dass der Südosten offenbar bei Bauträgern beliebter ist als der Nordwesten Berlins, liegt aber auch am öffentlichen Nahverkehr – und auch hier ist in erster Linie der Senat gefordert. Bestes Beispiel: Das Märkische Viertel, das durchaus noch wachsen könnte, verfügt immer noch über keinen U-Bahn-Anschluss. Das stört Mieter und Investoren gleichermaßen – und könnte nur vom Senat geändert werden. Geisel sollte vorsichtig sein mit Schuldzuweisungen – besser wäre es, Investitionshemmnisse abzubauen.