Berliner Wohnungsmarkt

Senator Geisel rügt schleppenden Neubau in den Bezirken

Es werden in Berlin nicht ausreichend Wohnungen gebaut. Vor allem in Spandau und Reinickendorf tut sich zu wenig.

In Berlin werden in diesem Jahr rund 12.000 neue Wohnungen fertig. Das sind viel zu wenige

In Berlin werden in diesem Jahr rund 12.000 neue Wohnungen fertig. Das sind viel zu wenige

Foto: Daniel Naupold / dpa

Der Wohnungsneubau in Berlin hinkt dem tatsächlichen Bedarf weiter deutlich hinterher. Während in diesem Jahr die Bevölkerung der Hauptstadt voraussichtlich um 80.000 Einwohner wächst, werden nur 12.000 Wohnungen fertig. Mitverantwortlich für diese Situation sind nach Auffassung des Stadtentwicklungssenators Andreas Geisel (SPD) Bezirke wie Reinickendorf und Spandau.

Der Politiker präsentierte am Montag eine Statistik, aus der hervorgeht, dass in diesen Bezirken in den ersten acht Monaten dieses Jahres lediglich 251, beziehungsweise 284 (Spandau) Baugenehmigungen ausgestellt wurden. „Diese Bezirke ziehen nicht mit, anders lassen sich diese Zahlen nicht interpretieren“, sagte Geisel. Der Senator will sich nun im Rat der Bürgermeister dafür einsetzen, dass die Herausforderungen der wachsenden Stadt gleichmäßiger über das gesamte Stadtgebiet verteilt werden.

Der Stadtentwicklungssenator hatte am Montag aktuelle Zahlen präsentiert, die die sehr unterschiedlichen Baugenehmigungszahlen in den zwölf Berliner Bezirken belegen. Demnach wurde bis einschließlich August dieses Jahres in Berlin der Bau von insgesamt 13.547 Wohnungen genehmigt. Mit Abstand die meisten Wohnungen dürfen dabei in Treptow-Köpenick errichtet werden. Der im Südosten gelegene Randbezirk hat bis August den Bau von 2722 Wohnungen genehmigt.

Bezirke, die sich „aus der Verantwortung wegducken“

Auf Platz zwei und drei im Ranking der Bezirke bringen es die Innenstadtbezirke Mitte (2163) und Friedrichshain-Kreuzberg (2107). Das Schlusslicht bilden dagegen die Randbezirke im Norden und Westen der Stadt. In Reinickendorf wurden in den ersten acht Monaten des Jahres lediglich 251 Wohnungsbaugenehmigungen erteilt, in Spandau waren es mit 284 kaum mehr.

„Ich werde das Thema Baugenehmigungen beim Rat der Bürgermeister zur Sprache bringen“, sagte Geisel weiter. Es gehe nicht an, dass sich manche Bezirke vor der Verantwortung „wegducken und sich einen schlanken Fuß machen.“

Der Senator erläuterte, dass sich ab diesem Jahr der bisherige Bevölkerungszuwachs in der Hauptstadt von rund 45.000 Zuwanderern pro Jahr durch den Zustrom der Flüchtlinge auf voraussichtlich 80.000 erhöhen könnte. In der Folge müssten auch die Neubauzahlen noch deutlich gesteigert werden. „Berlin braucht dringend bezahlbare Mietwohnungen“, appellierte Geisel.

In diesem Jahr würden voraussichtlich 12.000 Wohnungen in Berlin fertiggestellt – immerhin 3000 mehr als 2014. Allerdings sei klar, dass die Zuwachszahlen künftig noch deutlich steiler ansteigen müssten, um den Zuwachs zu bewältigen.

Neue Verpflichtungen im kommenden Koalitionsvertrag

Berlin habe bereits bewiesen, dass dies zu leisten sei. „In den 90er-Jahren hat Berlin jährlich 20.000 bis 30.000 Wohnungen errichtet“, so der Senator. Um die Bezirke zu mehr Anstrengungen beim Wohnungsbau zu bewegen, halte er entsprechende Vereinbarungen im kommenden Koalitionsvertrag für sinnvoll. Dort sollte nicht nur die konkrete Zielzahl von Wohnungen drinstehen, sondern auch entsprechende Verpflichtungen“, regte Geisel an.

Martin Lambert, CDU-Baustadtrat in Reinickendorf, wies die Kritik zurück. „Ende September sind wir immerhin schon bei 300 Genehmigungen angelangt“, sagte der Stadtrat. Zudem könne der Bezirk nur genehmigen, was private oder städtische Baugesellschaften auch beantragen würden. „Wir haben aber keinen Antragsstau“, sagte Lambert und verwies darauf, dass der Bezirk trotz seiner großen Fläche nur über wenig Bauland verfüge. „Reinickendorf besteht aus Berliner Forst und Gewässern“, sagte Lambert.

Zudem würde der immer noch nicht außer Betrieb gestellte Flughafen Tegel verhindern, dass in den Einflugschneisen, wo theoretisch Geschosswohnungsbau möglich sei, auch tatsächlich Investoren bauen wollen. In Lübars und auf dem ehemaligen Golgatha-Friedhof seien zudem Flächennutzungspläne geändert worden und Areale als allgemeines Wohngebiet ausgewiesen worden.

„Bei uns wird nichts auf die lange Bank geschoben“

Und in der Cité Foch sei man mit dem Bauherren Art-Invest im Gespräch, der dort rund 300 Wohnungen errichten wolle. Dass die städtische Gesobau im Märkischen Viertel mit ihren Planungen noch nicht so weit sei, sei zudem nicht Schuld des Bezirks: „Bei uns wird nichts auf die lange Bank geschoben“, versicherte Lambert.

Den Stadtentwicklungssenator besänftigten diese Aussagen jedoch nicht. „Treptow-Köpenick ist ein Bezirk, den man mit Reinickendorf gut vergleichen kann, er hat ebenfalls große Wald- und Wasserflächen und Einfamilienhausbereiche“, sagte Geisel. Er bleibe deshalb bei seiner Einschätzung: „Da will offenbar jemand im Amt nicht mitziehen.