Das strahlende Sommermärchen 2006 versinkt mehr und mehr ins triste Grau. Wie grau, das war am Donnerstag Wolfgang Niersbach im Gesicht abzulesen. Aschfahl und mit tiefen Augenringen untermauerte der Präsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) erst noch einmal, dass bei der Vergabe der WM 2006 nach Deutschland weder schwarze Kassen noch Stimmenkäufe nötig waren.
Um dann bei der Erklärung, was es mit den ominösen 6,7 Millionen Euro auf sich habe, in sich zusammenzusacken und zu Boden zu blicken. So als suche er nach dem Manuskript oder dem Teleprompter, der ihm bei der Erzählung seiner sehr konstruiert wirkenden Geschichte über den Geldfluss zwischen Robert Louis-Dreyfus, DFB und Weltverband Fifa souffliert.
Niersbach bot das Bild eines Mannes, der verzweifelt um seine Karriere kämpft. Um seine Reputation. Ein Befreiungsschlag gelang nicht, weder für ihn noch den DFB. Stattdessen noch mehr Fragen, erst recht, nachdem die Fifa den von Niersbach dargelegten Weg des Geldflusses wenige Stunden später in Frage gestellt und ein Treffen mit Franz Beckenbauer in dieser Angelegenheit abgestritten hat.
„Da bin ich überfragt“
Niersbach hinterließ nie den Eindruck, als sei er derart ausreichend informiert, um zur Aufklärung des größten Skandals im größten Einzelsportverband der Welt beitragen zu können: „Da bin ich überfragt.“ – „Das entzieht sich meiner Kenntnis.“ – „Das war mir nicht bewusst.“
Alles, was Niersbach teils zurechtstammelte, fußt auf einem Gespräch mit Franz Beckenbauer am Dienstag in Salzburg. Der einstige WM-OK-Chef habe ihm da den Weg der 6,7 Millionen Euro dargelegt. Niersbach und Beckenbauer – beide verbindet eine Freundschaft, die extrem auf die Probe gestellt wird.
Der einstige Pressechef der Europameisterschaft 1988 war es, der im Kielwasser des Kaisers die Karriereleiter immer weiter nach oben kletterte: DFB-Medien-Direktor, Pressechef des WM-OK 2006, Generalsekretär des DFB, schließlich dessen Präsident, dazu Sitze in den Exekutivkomitees von Fifa und Uefa. Doch Beckenbauer schweigt bislang in der Öffentlichkeit beharrlich. Und lässt Niersbach allein im Sturm der Beschuldigungen stehen. Schöner Freund.


